012017

Zeitschrift für Strategie & Entwicklung
in Gesellschaft und Kirche

Foto: Mpho Mojapelo

012017

Beweglich werden

Foto: Margarida Csilva

Uwe Lübbermann, Frank Reintgen

„Je besser wir uns um alle Beteiligten kümmern, desto besser geht es uns!“ – Unternehmensführung im Kollektitv

Wenn die beste Lösung von allen gefunden wird. Premium ist eine kleine Getränkemarke. Seit über 14 Jahren existiert das ungewöhnliche Unternehmen. Vieles wird hier bewusster geregelt als in der „normale“ Wirtschaft. Das Projekt wird von einem Internet-Kollektiv nach dem Prinzip der Konsensdemokratie gesteuert. Doch wie führt man ein als Kollektiv organisiertes Unternehmen und wie gelingt es, strategische Entscheidungen im Konsens zu treffen?

Konzept

Statements

Praxis

Werkzeuge

Service & Dialog

Bonustrack

Editorial

Kirche ist eine sehr erfolgreiche Organisation. Ihr Geheimnis: Sie hat sich über 2000 Jahre hinweg immer wieder an die sich verändernden Umweltbedingungen angepasst. Und heute? Läuft’s?

In den zurückliegenden Jahren gab es immer wieder Reformansätze, kurzfristig schien manches von Erfolg gekrönt. Längerfristig betrachtet waren es jedoch zumeist Sackgassen, die eher tiefer in die Krise führten. Etwas scheint heute anders zu sein, als noch vor wenigen Jahren: Wir leben in zerbrechlichen, volatilen Zeiten. Die Welt ist in Aufruhr, unüberschaubar, disparat, asymmetrisch. Nichts bleibt, wie es ist, nichts lässt sich verlässlich vorhersagen.

Das Titelbild symbolisiert den Zustand von Kirche ziemlich gut. Der Kicker - ein wunderbar dynamisches Spiel. Dabei kennt das Gerät genau genommen nur Beweglichkeit in zwei Dimensionen. Die Figuren sind in einer Reihe starr miteinander verbunden und können nur gemeinsam rochiert werden. Kirchliche Reformen folgen seit Jahrzehnten der Logik des Modernisierungsparadigmas: Konzentration, Verdichtung, Zentralisierung, um das Rad mit weniger Mitteln schneller drehen zu können. Es hat den Anschein, als habe sich das Spielfeld verändert: Es bewegt und verändert sich während des Spiels, die anderen haben viel mehr Figuren, die sich unabhängig voneinander im dreidimensionalen Raum bewegen und zudem selbstständig agieren können.

Das Instrumentarium, das kirchlichen Akteuren zur Verfügung steht, ist unterkomplex und unflexibel. Die kirchlichen Akteure - im Produktionsmodus verhaftet - sind am Rand der Erschöpfung, weg ist die Leichtigkeit. Sie wirken müde, chronisch überfordert.

Wer an der Schwelle zur "nächsten Gesellschaft" (Dirk Baecker im Anschluss an Peter F. Drucker) nicht den Anschluss verlieren möchte, muss beweglich sein. Kirche muss beweglich werden. Kickerniveau reicht nicht mehr.

Autor

Valentin Dessoy

Kirchenentwickler, Autor, Geschäftsführer kairos. Coaching, Consulting, Trai­ning

  • Mail: valentin[.]dessoy[at]futur2[.]org