Aktuelle Ausgabe
Statements
Ärger und Aggression in der Kirche – revisited nach 35 Jahren
Zur Ambivalenz von Ärger und Aggression Ärger, Wut oder Zorn als emotionale Reaktionen auf das Erleben von Frustration, Kränkung oder Übersehen-Werden und Aggression als verbale oder physische Auseinandersetzung mit einer oder mehreren Personen stellen ausgesprochen ambivalente Verhaltensmuster dar: Auf der einen Seite dienen sie dazu, die eigene Person, ihre Identität, Ansprüche und Rechte zu schützen ...
Statements
In Between – Ein Plädoyer für die Beziehungsfähigkeit der Kirchen
Krisenreaktionsmuster als Beziehungsdiagnose Beziehungen sind das Dazwischen. Eine Beziehung zu haben bedeutet, sich aufeinander zu beziehen und sich selbst als relational zu verstehen. Es geht um ein Wechselspiel von Individuen und Interaktion. Meistens betrachten wir Organisationen zunächst vordergründig prozessual – erst mit einem tieferen relationalen Organisationsverständnis begreifen wir sie zusätzlich als ein Geflecht von Beziehungen. ...
Statements
Wandel in einer kirchlichen Organisation – welche Dynamiken sind wie beobachtbar?
Zwischen Notwendigkeit und Bereitschaft zur Veränderung Kirchliche Organisationen sind sicherlich besondere Organisationsformen – und zugleich auch nicht. Und wer kennt das nicht: Regelmäßig wird angemahnt, dass sich endlich etwas ändern müsse: „So geht es nicht weiter …“. Doch wenn Mitarbeitende gefragt werden, was sich konkret in ihrem Aufgabengebiet oder an ihrer Arbeitsweise verändern solle, sind ...
Statements
Die unsichtbare Grammatik des Wandels
Ob gesellschaftlicher Wandel gelingt, hängt nicht allein von Wissen, Technologien und professionellem Veränderungsmanagement ab, sondern auch davon, was Menschen für glaubwürdig, möglich und wünschenswert halten – und wie sie Veränderungen emotional verarbeiten. Diese körperlich-mentalen Glaubensvorgänge, in denen Kognition und Emotion zusammenwirken, werden in der Wissenschaft als Creditionen bezeichnet.
Statements
Der Mensch – ein rationales Wesen? Einwürfe aus der Kognitionspsychologie
In dieser Ausgabe der futur2 werden Transformationsdynamiken im kirchlichen und religiösen Feld aus verschiedenen Perspektiven der Psychologie beleuchtet. Psychologie ist die Wissenschaft vom individuellen menschlichen Verhalten und Erleben. Gemeinsam ist diesen Perspektiven daher, dass die grundlegende Ebene der Betrachtung das menschliche Individuum bildet. Im Kontext dieser Ausgabe sind also solche Aspekte von Transformationsprozessen im Blick, ...
Praxis
Was fangen wir mit all dieser Zukunft an?
YOT, Gott 9.0 und die Dynamik spiritueller Veränderung „Deine Organisation hat einen hohen Gott-7.0-Gehalt.“ Die Bemerkung stammt von Piet van Veldhuizen, dem niederländischen Übersetzer des Buches Gott 9.0 (Küstenmacher et.al. 2010), nach einem Besuch in Brügge mit dem Kernteam seiner protestantischen Gemeinde. Es war eine beiläufige Bemerkung, aber sie blieb hängen. Sie gab uns plötzlich ...
Praxis
Koordinaten einer transformativen religiösen Bildung
Transformation als Revolution Zunächst kann Transformation im Sinne der Revolution in den Blick genommen werden. Wenn hier von Revolution gesprochen wird, ist nicht ein Umsturz im Sinne einer gewaltvollen Machtübernahme gemeint, sondern es wird eher ein grundlegender Perspektivenwechsel anvisiert. In unterschiedlichsten Fachdisziplinen finden sich derzeit Publikationen, die ein neues Denken einfordern, wie beispielsweise die Einladung ...
Praxis
Transformationsstrategien revisited. Eine hypnosystemische Inspiration
Die Hypnosystemik ist innerhalb systemisch orientierter Therapie eine Praxisorientierung mit hoher Anerkennung. In diesem Beitrag soll sie auf die Arbeit in und Beratung von organisationalen Transformationsprozessen reflektiert werden. Hypnosystemik – eine Kontaktaufnahme und Einordnung Hypnosystemisch zu arbeiten heißt, die Bedeutung unterbewusster Prozesse zu verstehen, ihre Ressourcen zu aktivieren und dadurch systemisch erweiterte Entwicklungspotenziale zu entfalten. Der ...
Praxis
Visionen der Zukunft – Veränderung aktiv gestalten, am Beispiel des Erzbistums Köln
Eine aktive Rolle in Veränderungen Sie wissen: Veränderungen sind allgegenwärtig und die Welt verändert sich ständig. Auch die katholische Kirche ist davon nicht ausgenommen. Viele deutsche Bistümer sehen sich mit schwerwiegenden Veränderungen konfrontiert. Das Erzbistum Köln ist dabei keine Ausnahme: Besonders spür- und messbar sind zum Beispiel abnehmende Mitgliederzahlen oder weniger personelle und finanzielle Ressourcen. ...
Konzept
Arbeit am Habitus – Bildung und Kirche in Transformationsprozessen
Bildung – durch Krisen veranlasst Bildung im traditionellen Sinne einer „Sorge um sich […] als Sorge um eine mündige Lebensführung“ lässt sich mit Wilhelm von Humboldt wie folgt umschreiben: „Der wahre Zwek des Menschen“, so schreibt der Bildungsreformer, „ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“. Eine möglichst weitreichende und möglichst ausgewogene ...
Konzept
Die Freiheit zum Wandel. Ignatianische Indifferenz und die Kunst, sich verändern zu lassen
Die Zeit der Beschleunigten Es gibt Epochen, die glauben, sie stünden still. Unsere gehört nicht dazu. Kaum ein Begriff beschreibt das Selbstverständnis der Gegenwart so sehr wie der des Wandels. Unternehmen sprechen von Transformation, Universitäten von Innovation, die Politik von großen Reformvorhaben, die Kirchen von Veränderung oder Synodalität. Wer nicht lernfähig ist, gilt als gefährdet. ...
Konzept
Erich Fromms Weg „vom Haben zum Sein“ – 50 Jahre später In ihrem aktuellen Buch „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“ prägt die Philosophin Eva von Redecker den Begriff Phantombesitz. Damit meint sie Phantasmen, die eine „Neuauflage überlebter Verfügungsansprüche“ darstellen. Gemeint sind Überidentifikationen zum Beispiel mit der Nation, der Familie, dem Volk, den ...
Konzept
Zwischen Glauben und Gleichgültigkeit
„Gott ist die uninteressanteste Antwort auf die interessantesten Fragen.“ Dieser Satz aus Hernan Diaz‘ Roman „Treue“ macht meines Erachtens deutlich, worin ein Problem für die Kirche in der Gegenwart besteht. Sie wird noch dadurch verschärft, dass viele Menschen eine mögliche Antwort auf Fragen des eigenen Lebens gar nicht mehr mit Gott in Verbindung bringen. Die ...
Konzept
Wie das »andere Wissen« der Religion Wandlungsprozesse vertieft Wie wir arbeiten, kommunizieren, wirtschaften und zusammenleben, verändert sich gegenwärtig an vielen Stellen zugleich – weder in dieselbe Richtung noch im selben Tempo. Was den einen neue Freiheiten eröffnet, bedeutet für andere Kontrollverlust oder den Abschied von vertrauten Lebensformen. Neues setzt sich durch, während Altes fortwirkt. Fortschritte ...
Konzept
Beginnen wir mit der „postglazialen Landhebung“. Da dieser Essay auf einer Insel im Kattegatt entsteht, liegt es nahe, die „Dynamiken des (religiösen resp. kirchlichen) Wandels“ im Lichte dieser geologischen Dynamik zu betrachten, die die skandinavische Halbinsel immer noch ca. 1 cm pro Jahr ansteigen lässt, während auf der anderen Seite der Ostsee die norddeutsche und ...
Konzept
Spirituelle Resilienz in Zeiten kirchlicher Transformation
Wandel ist ein Kerngeschehen und eine traditionsprägende Kernkompetenz in der Geschichte der Kirche. Das zeigt ihre zweitausendjährige Geschichte. Anpassungsfähigkeit, Lernfähigkeit, Innovationspotential und Experimentierfreudigkeit machen ihre Stärke aus. Genau dies wird heute häufig als organisationale Resilienz bezeichnet. Auch heute befindet sich die Kirche in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Für Europa gilt: Demografischer Wandel, zurückgehende personelle und finanzielle ...
Konzept
Sinnsuche zwischen immanenter und transzendenter Verbundenheit – ein psychologischer Essay
Nach der Beobachtung von Soziologen ist die gegenwärtige Gesellschaft entscheidend durch Prozesse der Säkularisierung und Individualisierung geprägt. Die Bindungskraft der „großen Erzählungen“ religiöser und politischer Traditionen ist gering geworden. Einer politischen oder religiösen visionären Idee nachzufolgen ist also nicht sehr populär. Das war früher anders, als die Kirche noch „mitten im Dorf“ stand und stark ...
Editorial
Was, so haben wir uns in der Redaktion gefragt, kann man eigentlich noch Neues über Strategie und Entwicklung in Gesellschaft und Kirche schreiben? Sind nicht alle Gedanken gedacht, alle Konzepte konzipiert, alle Statements abgegeben, alle Diskussionen diskutiert? Eine Perspektive aber scheint uns unterbelichtet, auch bei uns im Magazin. Wir haben oft eine pastoraltheologische und soziologische ...




