012012

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

Service & Dialog

Martin Lätzel

Buchrezension: Nowak, Raimund ; Verrone, Assunta ; Nicki, Peter (Hrsg.): Nachhaltigkeit denken

Nowak, Raimund ; Verrone, Assunta ; Nicki, Peter (Hrsg.): Nachhaltigkeit denken. Texte zum 2. Festival der Philosophie Hannover.

Der LIT-Verlag ist mittlerweile zu einer festen Größe in den Bereichen Sozialwissenschaften, Theologie, Philosophie und Geschichte geworden. Beispielhaft für die zahlreichen Neuerscheinungen, die oft als Reihen konzipiert werden, was nicht unbedingt glücklich erscheint, möchten wir heute drei Publikationen aus dem Frühjahrsprogramm vorstellen, die wir mit Gewinn gelesen haben.

Mit einer merkwürdigen Skurrilität begegnet uns der Band „Nachhaltigkeit denken“. Das Buch stellt Texte des zweiten Festivals der Philosophie in Hannover aus dem Jahr 2010 vor. Der Titel spricht an, das Wort „Nachhaltigkeit“ hat mittlerweile einen ganz besonderen Klang, changierend zwischen einem absoluten „Must“ der Gegenwart und der Anmutung eines Plastikwortes, das politisch korrekt geworden ist, und als Füllsel allüberall verwendet werden kann.

Der Blick ins Buch überrascht. Mitnichten reitet man dort auf der Woge der aktuellen Diskussion. Vielmehr findet sich ein breiter Strauß an Themen und Texten unterschiedlicher Qualität, die mal mehr, mal weniger mit der Frage der Nachhaltigkeit zu tun hat. Da wird der Bildungsbegriff diskutiert, das zeitgenössische Menschenbild, die in der Renaissance und die Engel bei Rilke und vieles mehr. Sie meinen, das hat nicht viel mehr miteinander zu tun? Das stimmt, aber die Texte eint die Freude am kritischen Denken und die Lektüre regt selber zum Denken an. Die Mit-Herausgeberin Assunta Verrone formuliert gleich zu Beginn des Vorworts die Zielrichtung des Bandes: „Wer zwischen den Zeilen liest, kann eine eigene kritische Methode, eine Praxis, einen Habitus des ‚nachhaltigen Denkens‘ daraus ziehen. Wer überzeugt ist, dass alle guten Revolutionen im Bewusstsein des Menschen stattfinden, kann sich als Mensch vom Herrscher zum Beschützer der Welt umorientieren.“ Nicht mehr, und nicht weniger. Na dann, viel Spaß am Denken!