022011

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

Service & Dialog

Martin Lätzel

Buchrezension: Knobloch, Stefan: Ungenutztes Potenzial

Knobloch, Stefan: Ungenutztes Potenzial. Zwischen religiöser Sehnsucht und Kirchenkrise.

Stefan Knobloch ist ein Urgestein der deutschen Pastoraltheologie. So geht zum Beispiel das wegweisende Handbuch für Praktische Theologie (1996) auf den mittlerweile emeritierten Mainzer Professor zurück. Im Grünewald Verlag ist nun ein Band erschienen, in dessen Mittelpunkt Stefan Knobloch das von ihm so bezeichnete „unnütze Potenzial“ stellt. Im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil plädiert Knobloch eindringlich dafür, die religiöse Erfahrung der Menschen innerhalb der Kirche und außerhalb der Kirche wahrzunehmen und eben als ein Potenzial zu sehen, dass – hier setzt Knoblochs zentrale Institutionenkritik an – von der Kirche derzeit nicht genug gewürdigt und nicht genügend genutzt wird. Knobloch expliziert seine Thesen praktisch an dem Phänomen der Sinnsuche, aufbrechender Religiosiät in Wallfahrten, Pilgerwegen, in der Volksfrömmigkeit oder im Urlaub.

Der zentrale Ort, an dem sich für Autor Seelsorge ereignen muss, bzw. die Charismen der Menschen zur Geltung kommen müssen, ist für ihn die Ortsgemeinde. Die so genannten Reformen, sprich: Neuordnungen der Pfarreienstrukturen in den deutschen Diözesen der letzten Jahren greifen für Knobloch nicht weit genug. Sie schaffen es nicht, sich von der Priesterfixierung zu lösen, ja, sie greifen, so Knobloch sogar teilweise noch auf die Situation vor dem Zweiten Vaticanum zurück. Diejenigen, die professionelle in der Seelsorge stehen, müssten hingen in Zukunft als Ausweise ihrer Professionalität den – neudeutsch gesagt – Support – an die erste Stelle ihrer Arbeit stellen, Hilfestellung anbieten, so dass alle Christen aufgrund ihrer Taufwürde aktiv werden können.

Die Anerkennung der Pius-Bruderschaft durch den jetzigen Papst sieht Knobloch als direkten Beleg für einen Weg der Kirche, der die Erkenntnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils ignoriert bzw. auf eine Kirche rekurriert, die die Neuerungen, die das Konzil gebracht hat, langsam aber sicher wieder zurückfahren möchte.