012019

Praxis

Markus Sakendorf-Alz

Echt – Sinnvoll. Werbung für Pastorale Dienste im Erzbistum Köln

Die Hauptabteilung Seelsorgepersonal hat im März 2019 einen neuen Werbeflyer entwickelt, mit der für die Ausbildung als Gemeinde- bzw. Pastoralreferent/-in geworben werden soll. Mit der Broschüre wurde auch der Claim „Echt – Sinnvoll“ entwickelt, der als Slogan über weiteren Werbekampagnen für dieses Berufsfeld dienen kann. Pastoralreferent Markus Sakendorf-Alz ist Ausbildungsleiter für die Ausbildung zur/zum Gemeinde-/Pastoralreferent/-in in der Abteilung Personalentwicklung Pastorale Dienste im Erzbistum Köln. Er hat die neue Broschüre den dazugehörigen Claim maßgeblich mitentwickelt. Mit ihm sprach Frank Reintgen.

Das Interview führte Frank Reintgen.

Frank Reintgen: Lieber Markus, im Erzbistum Köln läuft – wie in anderen Diözesen auch – ein Bistumsprozess, der Klarheit bringen soll, wie die Kirche in Zukunft gelebt und gestaltet werden kann. Ist schon erkennbar, welche Auswirkungen dieser Prozess auf die Rolle und Aufgabenfelder der Pastoralen Dienste haben wird?

Markus Sakendorf-Alz: In der Tat befinden wir uns zurzeit mit der sogenannten „Aktuellen Etappe“ mitten in einem Bistumsprozess. Konkrete Ergebnisse stehen hier noch aus. Dennoch ist erkennbar, dass sich die Rolle der pastoralen Dienste verändern wird. Pastorale Dienste werden sicherlich in der Zukunft viel stärker als bisher als Ermöglicher und Befähiger gebraucht werden. Mit ihrer spezifischen Fachkompetenz werden sie Menschen dabei unterstützen, in einem hohen Maß von Selbstorganisation Kirche zu sein.

Klar scheint mir auch zu sein, dass Wandel und Veränderung eine zentrale Herausforderung für die Kirche in den kommenden Jahren sein und bleiben wird. Angesichts einer Welt, die sich in stetiger Veränderung befindet, muss sich auch Kirche beständig weiterentwickeln.

Reintgen: Welche Auswirkungen wird das auf die Pastoralen Dienste und deren Ausbildung haben?

Sakendorf-Alz: Pastorale Dienste werden in diesen Veränderungsprozessen eine wichtige Rolle übernehmen. Das verlangt eine hohe Bereitschaft seitens der Pastoralen Dienste zu lebenslangem Lernen.

Bildrechte bei Erzbistum Köln

Auch die Berufe der Pastoralen Dienste werden sich dementsprechend weiterentwickeln. Das ist auch für uns als Personalabteilung eine Herausforderung. Wir werden Pastorale Dienste brauchen, die ein hohes Maß Flexibilität und Aufbruchsbereitschaft mitbringen.

Reintgen: Welche Kompetenzen müssen junge Menschen künftig mitbringen, wenn sie als pastoraler Dienst im Erzbistum Köln arbeiten wollen?

Sakendorf-Alz: Aus meiner Perspektive, werden zukünftig Menschen gebraucht, die eine geistliche Kompetenz mitbringen und die eine inspirierende Kraft besitzen. Sie müssen Freude an Menschen und an Community haben. Sie sollen Ressourcen und sogar Lust haben, echte persönliche Herausforderungen anzunehmen, sich selbst zu entwickeln. Der eigene Entdeckergeist muss wach sein. Sie sollen den Mut und das Standing haben, der Kirche neue Gesichter zu geben. Und sie müssen die Fähigkeit haben, Menschen zu integrieren.

In allem sollten sie auch eine gewisse Gelassenheit und das Vertrauen haben, dass es eine lebenswerte Zukunft in der und für die Kirche geben wird.

Reintgen: Du hast beschrieben, wie sehr Wandel und Veränderungen die kommende Zeit bestimmen wird. Wie gehen eigentlich die jungen Menschen, die sich für ein Studium interessieren und denen Du im Rahmen der Ausbildung begegnest, mit dieser Situation um.

Sakendorf-Alz: Dass die Auswirkungen einer veränderten Zukunft bereits hier und jetzt sichtbar sind und der Wandel schon heute da ist, ist für die Studierenden spürbar und auch jetzt schon gestaltbar. Das muss ich den Studierenden nicht erklären. Für sie ist das schon normale Alltagserfahrung.

Pastorale Dienste werden in diesen Veränderungsprozessen eine wichtige Rolle übernehmen. Das verlangt eine hohe Bereitschaft seitens der Pastoralen Dienste zu lebenslangem Lernen.

Wir unterstützen junge Menschen, die den Beruf des/der Gemeinde- bzw. Pastoralreferent-/in anstreben, dabei, sich an dieser Zukunft gestaltend zu beteiligen. Dazu sind wir herausgefordert, damit die passenden Kompetenzen erworben werden können. Zugleich lernen wir von ihnen.

Letzteres gewinnt für mich zunehmend an Bedeutung. Denn diese junge Menschen zeigen uns, wie der Wandel in Kirche lebendig werden kann. Das können wir hervorragend von ihnen lernen. Das ist ein Teil der Veränderung auf die wir uns einlassen müssen und auch wollen.

Reintgen: Gibt es aus Deiner Sicht etwas, was die Ausbildung bzw. die Arbeit für pastorale Dienste im Erzbistum Köln besonders auszeichnet und profiliert?

Sakendorf-Alz: Ich sehe die Pastoral im EBK als einen großen Gestaltungsraum, an dem viele sehr unterschiedlich mitwirken. Das ist im Letzten das communiale Prinzip einer Kirche der Vielfalt. Sicher entwickelt sich mehr und mehr die Marke des Pastoralen Zukunftsweges heraus, der für das Programm dieser Vielfalt Grundlage ist. Wenn Gottes Geist uns in dieser Vielfalt zusammenhalten lässt, wird das meines Erachtens die Marke der Zukunft sein.

Für die Ausbildung heißt das, dass die Menschen in Ausbildung und Einführung in den Beruf vielfältig Mitgestaltende sind. Sie befinden sich in einer Lebensphase, in der sie mit ihrer Vitalität und Gestaltungskraft für die Kirche ausgesprochen spannend und interessant sind. Andersherum sehnen sich junge Menschen danach, die Welt mit zu gestalten. Sie suchen nach sinnvollen Tätigkeiten und Kirche kann der Ort sein, den sie mit ihrer Kreativität und ihren Ideen mitgestalten können.

Darin inbegriffen sind aber auch neue Aufgaben und Rollen wie die der Ermöglichung für das Mitgestalten vieler anderer in und außerhalb der kirchlichen Orte. Ebenso auch die klare Ausrichtung, Neues zu initiieren, das bedeutet, Innovation zu einem roten Faden der Arbeit zu entwickeln. Das kann bedeuten, dass die Studierenden schon früh beginnen, zum Beispiel über die Relevanz von neuen Gottesdienstformen für die Menschen nachzudenken und es in Praktika auszuprobieren.

Reintgen: Welche “Versprechen” gebt ihr jungen Menschen, die sich für einen pastoralen Beruf interessieren, im Hinblick auf die Berufsperspektive und die zukünftige Rolle im Erzbistum Köln.

Sakendorf-Alz: Zuallererst nehmen wir die jungen Menschen, die sich interessieren, als eigenständige Person ernst und wollen sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit in die Teams integrieren und fördern. Für Studierende gibt es ein Förderprogramm, das sie auf ihrem Weg – parallel zum Studium – stärkt, inspiriert und ihnen ermöglicht, ihre Kompetenzen zu erweitern.

Diese junge Menschen zeigen uns, wie der Wandel in Kirche lebendig werden kann

Das beinhaltet beispielsweise Qualifizierungen im Bereich der professionellen Kommunikation ebenso wie die Förderung ihrer Spiritualität und der innovativen Kreativität. Skills, die sie noch nicht haben, können sie sich aneignen.

Wenn sie für die künftigen Anforderungen der Pastoral geeignet sind, erhalten sie die Chance, in den Beruf zu starten. Dieses Jahr sind es wieder elf Frauen und Männer, die neu im Erzbistum als Gemeindeassistenten/-innen und Pastoralassistenten/-innen beginnen und die Zukunft mitgestalten werden. Dann beginnt eine berufliche Laufbahn mit diversen Möglichkeiten eigener Entwicklung.

Reintgen: Nun habt ihr im März unter dem Slogan „Echt – Sinnvoll“ eine neue Broschüre herausgegeben, mit der für den Beruf des/der Gemeinde- bzw. Pastoraleferent/-in geworben wird. Wie kam es dazu?

Sakendorf-Alz: Unsere bisherigen Informationsbroschüren waren ein wenig in die Jahre gekommen. Wir wollen mit der neuen Broschüre auf veränderte Sehgewohnheit bei jungen Menschen reagieren. Denn wir haben festgestellt, dass junge Menschen heute anders sehen, wahrnehmen, lesen, was ihnen präsentiert wird. Darauf mussten und wollten wir reagieren. Damit Jugendliche und junge Erwachsene überhaupt Werbung für einen Beruf in der Kirche wahrnehmen, muss sie neu, direkt sein und emotional ansprechen.

Neben diesen durch ein verändertes Kommunikationsverhalten bedingten Aspekten mussten auch inhaltlich notwendige Veränderungen eingepflegt werden, die aus veränderten Rahmenbedingungen im Erzbistum herrührten. In alten Broschüren stand zum Beispiel eine Einstellungsobergrenze, die es so in unserem Erzbistum nicht mehr gibt.

Reintgen: Für welche Zielgruppe ist die Broschüre gedacht? Wen wollt ihr erreichen?

Sakendorf-Alz: Als Zielgruppe für die Broschüre haben wir junge Erwachsene im Alter von ca. 17-20 Jahren im Blick; Also junge Menschen, die sich in der Berufsfindungsphase befinden und die beabsichtigen, zu studieren ohne vielleicht schon genau auf einen Studiengang festgelegt zu sein.

Echtheit und Sinn haben das Potential prägende Merkmale für das Studium und den späteren Beruf als Pastoraler Dienst zu sein.

Wir wollen mit der Broschüre selbstbewusste und positiv auf eine gestaltbare Zukunft ausgerichtete Menschen ansprechen. Diese Zielgruppe hat ihr eigenes Wertebild und eine eigene Lebensart. Sie werden täglich mit vielfältigen Bildwelten überschüttet und leben gleichzeitig ganz selbstverständlich darin.

Reintgen: Ein zentrales Element der Broschüre ist der Claim „Echt – Sinnvoll“. Welche Botschaft verbindet ihr mit diesem Claim?

Sakendorf-Alz: Mit dem Claim „Echt – Sinnvoll“ wollen wir junge Menschen in Ihrem Werteverständnis ansprechen. Für junge Menschen hat der Begriff SINN eine sehr große Bedeutung. Deshalb wollten wir darauf unbedingt eingehen und ihnen zugleich mitteilen, dass sie selbst als eigenständige Person wichtig sind, daher das “Echt” im Claim:

Vielleicht ein kurzer Zoom in die Broschüre: Echt kann mit dem Begriff von wirklich oder authentisch übersetzt werden. Beides ist uns wichtig. Wir sehen auf den Fotos wirkliche Studierende der Theologie und der Religionspädagogik. Es gibt sie also tatsächlich! Und sie benennen hier auch, was sie mit echt und sinnvoll verbinden; im Studium gesehen zu werden oder von ihrem Glauben auf die Menschen zu schließen und christlich zu begegnen.

Das geht schon sehr in das über, was sie auch unter Sinnvoll verstehen. Einen Beruf zu erlernen, der vieles miteinander verbinden kann; vor allem mit anderen Menschen sinnvolles Leben zu gestalten, dass bereichert, stärkt und begeistert. Das ist Nachfolge Jesu, so wie es sich auch heute junge Menschen vorstellen.

Der Schriftzug selbst ist wie eine Handschrift, die das noch einmal unterstreicht. Das Individuelle hält ja beispielsweise wieder Einzug über Ipads oder andere Tablets genau mit der Möglichkeit, seine Schrift oder seine Zeichnungen kreativ in Dokumente einzubauen. Das fanden wir gut und haben es genutzt.

Die Bilder lassen viel entdecken und noch mehr erahnen: Wohin schauen die Studierenden durch das Fernrohr? Was ist im Hintergrund zu sehen. Welche Rolle spielen die Bewegungen und welche die Farben. Eigentlich zielt alles auf Perspektiven, eigene und gemeinsame Zukunftsbilder hin. Dazu gehört auch unsere bewusste Entscheidung für eine umweltbewusste Produktion der Broschüre in Material und Farben.

Allein der ständige Blick von außen durch die Agentur schult das eigene Sichtfeld.

Echtheit und Sinn haben das Potential prägende Merkmale für das Studium und den späteren Beruf als Pastoraler Dienst zu sein. Wir wünschen uns, dass „Echtheit und Sinn“ noch deutlicher zum Markenzeichen der kommenden Pastoralen Dienste werden.
Die Berufe der Kirche haben eine spannende Zukunftsperspektive, die im Claim “Echt – Sinnvoll” angetickt wird. Echt – Sinnvoll also.

Reintgen: Mit der Broschüre versucht ihr Menschen anzusprechen, die den kommenden Zukunftsaufgaben gewachsen sind. Kannst Du an ein paar Beispielen benennen, mit welchen Gestaltungselementen die Broschüre dies aufgreift?
Sakendorf-Alz: Die Bilder der Broschüre zeigen junge Menschen, die ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, ohne dass das Ziel schon klar erkennbar wäre. Sie lassen sich ihre Motivation durch das schlechte Wetter nicht nehmen, und blicken mutig in die Zukunft; denn der Himmel reißt wieder auf.

Bildrechte bei Erzbistum Köln

Diejenigen, die hier zu sehen sind, sind auf der Suche nach dem „Mehr“ in ihrem Leben.

Ein weiteres Bild zeigt dieselben jungen Menschen, wie sie gemeinsam mit großer Lust und Freude über eine Pfütze springen. Hier werden Menschen gezeigt, die etwas riskieren, die miteinander etwas bewegen wollen und können. Sie nehmen vollen Anlauf und zeigen ihre Lebensfreude.

Die auf der Broschüre abgebildeten Studierenden sind schon dieser Wandel. Sie gestalten ihn bereits mit.

Reintgen: Wer hat an der Broschüre mitgearbeitet? Gab es Unterstützung durch eine Agentur o.ä. und wie sah die aus?
Sakendorf-Alz: Unterstützt hat uns die Kommunikationsabteilung des Erzbistums Köln und eine Agentur für Kommunikationsdesign.

Es war ein spannender und sehr lehrreicher Prozess. Allein der ständige Blick von außen durch die Agentur schult das eigene Sichtfeld. Aber auch das Finden des Claims hat uns zu mehr Klarheit verholfen. Vielfältige Entwürfe und Reflexionsschleifen haben den Weg zum Produkt bereitet.

Die Studierenden haben wir um ihre spontanen Assoziationen und Eindrücke zum Claim befragt, um uns darüber mehr Gewissheit zu verschaffen.

Als er stand, gab es eine tolle Fotoaktion im Stadtzentrum und im Rheinpark in Köln mit vielen weiteren spannenden Fotos. Sie wollen für Jüngere, zum Beispiel Schülerinnen und Schüler Vor-Bilder sein.

Wir gehen den Weg in unserer Personalentwicklung weiter und eröffnen damit auch weiterhin Wege zu den Berufen der Pastoralreferenten/-innen und Gemeindereferenten/-innen.

Wenn ich nicht auf ein paar textuelle Inhalte bereits in der Broschüre wert gelegt hätte, gäbe es nicht so viele Worte! Möglicherweise wäre das noch besser 😉

Reintgen: Gibt es bereits ein Feedback auf die Broschüre?

Sakendorf-Alz: Die Broschüre wird stark wahrgenommen und verbreitet. Über Facebook beispielsweise haben wir in wenigen Tagen allein 3.500 Personen erreichen können. Vor allem ist es aber relevant, dass es schon Anfragen für die Studiengänge ergeben haben.
An vielen Stellen wurde er ausgehangen und verteilt. Die Resonanz über Facebook ist stark.

Reintgen: Ist diese Broschüre Teil einer größeren Kampagne?

Sakendorf-Alz: Naja, von Kampagne würde ich noch nicht sprechen. Aber wir nutzen Claim und Broschüre, um den genannten Zielen nach zu kommen und Türen zu öffnen. Natürlich verwenden wir den Claim, Bilder und Texte der Broschüre auch auf unserer Homepage www.erzbistum-koeln.de/echt-sinnvoll. Hier findet sich auf weiteres Bildmaterial, das im Kontext der Erstellung des Flyers entstanden ist. Zudem gibt es die Mailadresse echt-sinnvoll[at]erzbistum-koeln[.]de, die den Claim aufgreift. Und wie gesagt haben wir die Broschüre auch über den Facebook-Kanal unserer Abteilung und „jüngere“ Kanäle unserer Berufungspastoral in die Social-Media eingespielt.

Wir gehen den Weg in unserer Personalentwicklung weiter und eröffnen damit auch weiterhin Wege zu den Berufen der Pastoralreferenten/-innen und Gemeindereferenten/-innen.

 

 

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