012011

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

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Martin Lätzel

Buchrezension: Schößler, Sabine: Der Neopragmatismus von Hans Joas

Schößler, Sabine: Der Neopragmatismus von Hans Joas.

Jüngst erregte die Ernennung Hans Joas zum Gastprofessor an die Universität Regensburg Aufsehen. Dort hat man sich der Aufarbeitung der Theologie Joseph Ratzingers verpflichtet und nun Hans Joas zur Lehre eingeladen. Passt das? Ist nicht Joas eher Soziologe, der zwar auch im kirchlichen Bereich rezipiert wurde, weil er keine Scheu hat, sich zu kirchlichen und auch theologischen Fragen zu äußern? Passend dazu liegt uns ein Band vor, den wir dem interessierten Leser und der interessierten Leserin uneingeschränkt empfehlen können. Es ist dies die – soweit uns bekannt – erste Studie aus theologischer Sicht, die sich mit dem Werk des Soziologen Hans Joas auseinandersetzt. Erst jüngst wurden seine Thesen diskutiert, als er den Urgrund der Menschenrechte in der Heiligkeit der Person sah und somit eine Art Schnittmenge unterschiedlicher theologischer und philosophischer Menschenbilder heraus gefiltert hat. Im Pastoraltheologischen Feld wurde Joas zuvörderst als Religionssoziologe wahrgenommen. Schößler untersucht nun das Werk Joas‘ besonders unter dem Prinzip des Neopragmatismus und fragt, inwieweit es Impulse für eine zeitgenössische Theologie geben kann. Ohne den Inhalt und ihre Bewertung hier umfangreich wiederzugeben kann man aber sagen, dass sie wertvolle Impulse für Kirche und Christentum herausfindet, die maßgeblich mit dem Handeln des Individuums, der Offenheit der Institution und sich verabschiedet von der oft als tröstend empfindenden Beruhigung, der Mensch sei eh religiös (und müsse drüber irgendwann zur Institution finden). Das, so die Autorin, verwerfe Joas. Für die Religion und ihre Vertreterinnen und Vertreter sieht er jedoch Hoffnung, wenn sie für neue Sichtweisen von Glaube, Handeln und der menschlichen Erfahrung offen sind.

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BuchrezensionKirche