012011

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

Service & Dialog

Frank Reintgen

Buchrezension: Feiter, Reinhard/ Müller, Hadwig (Hg.): Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof?

Feiter, Reinhard ; Müller, Hadwig (Hg.): Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof? Ermutigende Erfahrungen der Gemeindebildung in Poitiers.

Das Bistum Poitiers ist inzwischen weit über die eigenen Bistums-Grenzen bekannt geworden für seine spezifische Art der Gemeindeorganisation. Anders als in den meisten anderen europäischen Diözesen werden in Poitiers angesichts des Priestermangels nicht Pfarreien zusammengelegt und zentralisiert, sondern Teams von ehrenamtlichen Christinnen und Christen (Basisequips) mit der nötigen bischöflichen Vollmacht ausgestattet, um vor Ort Gemeindeleben zu organisieren.

In dem soeben erschienen Buch „Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof?“ ziehen Albert Rouet, Bischof von Poitiers, und einige der maßgeblichen Wegbereiter der neuen Formen örtlicher Gemeinden eine erste Bilanz und erläutern das theologische Grundkonzept dieses pastoralen Weges, der von dem Vertrauen lebt, dass alle Christinnen und Christen dazu gerufen sind, christliche Gemeinde zu organisieren.

Und in der Tat, im Bistum Poitiers traut man Gott eine Menge zu. Der pastorale Ansatz in Poitiers lebt vom Vertrauen, dass es in jeder Gemeinde Menschen gibt, die fähig sind diese Gemeinde zu leiten. Und tatsächlich macht man im Bistum Poitiers die Erfahrung, dass sich vor Ort immer Menschen finden, die bereit sind, sich zu engagieren.

Dass dieses Vertrauen in das Wirken des Geistes vor Ort keine leeren Worte bleiben, dafür sorgt der rechtlich-verbindlichen Rahmen, der die Christinnen und Christen vor Ort mit der notwendigen Kompetenz und Autorität ausstattet, ihren Dienst zu tun. Mit einer eigenen liturgischen Feier werden die Basisequips für ihren Dienst beauftragt.

Am deutlichsten wird das radikal Neue dieses Weges an der Rolle der Priester. Der Priester ist nicht mehr derjenige der als Manager, Dienstvorgesetzter oder Chef alle Aktivitäten in seiner Pfarrei im Griff hat. Seine Rolle wird eine viel wesentlichere. Er ist derjenige, der die einzelnen örtlichen Gemeinden miteinander in Beziehung bringt und hält, der für die Einheit zwischen den Gemeinden vor Ort aber auch mit dem Bistum und der Weltkirche sorgt und der den missionarischen Geist innerhalb der örtlichen Gemeinden fördert.

Für alle, denen die Zukunft der Kirche ein Anliegen ist und die auf der Suche nach Visionen für eine Kirche von morgen sind, ist dieses Buch ein absolutes Muss. In Poitiers werden Schritte gegangen, die weit über die Bistumsgrenzen von Bedeutung sind, und die Möglichkeiten aufzeigen, von denen wir im Moment in Deutschland nur träumen können.