012016

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

Service & Dialog

Frank Reintgen

Buchrezension: Silke Helfreich, David Bollier und Heinrich Böll Stiftung (Hg.): Die Welt der Commons

Silke Helfreich, David Bollier und Heinrich Böll Stiftung (Hg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns, Bielefeld 2015

Die Orientierung an Wir-Qualitäten prägt derzeit viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Initiativen und Projekte. Wikipedia, das Linux-Betriebssystem, Share Economy, Co-Working-Places und vieles andere mehr – der Trend, dass Menschen miteinander an (oft ganz neuen) Themen, Ideen und Projekten arbeiten, nimmt zu und prägt und verändert unsere Gesellschaft nachhaltig. Forscher, die diese Entwicklung seit einigen Jahren in ganz unterschiedlichen Bereichen beobachten, sprechen von einem neuen Megatrend „Wir“. Mit dem Kürzel WeQ (statt IQ) beschreiben die Forscher eine Bewegung, die die Stärkung, das Empowerment jedes Menschen und des Gemeinwohls fördern sowie partizipative Prozesse, bei denen sich alle einbringen können, ermöglichen will.

Silke Helfrich, David Bollier und die Heinrich-Böll-Stiftung haben unter dem Titel „Die Welt der Commons“ ein Buch herausgegeben, dass den spannenden Versuch unternimmt, die Logik, die dieser Wir-Kultur zugrunde liegt, zu entschlüsseln. Beim Lesen des Buches wird deutlich, dass die Muster menschlicher Kooperation, auf die die Wir-Kultur zurückgreift, in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition haben und sich in den unterschiedlichsten Kulturen finden. Das Gefüge von Sozialstrukturen und -prozessen bei dem Menschen miteinander auf diese Art und Weise gemeinschaftlich wirken, bezeichnen die Autoren als Commons, ein Begriff, für den es keine adäquate deutsche Übersetzung gibt.

Die Beiträge im ersten Kapitel des Buches decken die Muster solcher Commons auf und verdeutlichen die Prinzipien auf die Commons gründen. Die Beiträge arbeiten die Logik heraus, wonach Commons funktionieren. Alle, die selber kollaborative Projekte initiieren oder gemeinnützige Unternehmungen gründen wollen, finden hier hilfreiche Hinweise, wie ein organisatorischer Rahmen hierfür aussehen kann. Als „Elinor’s Law“ werden Design-Prinzipien von Commons vorgestellt. Hilfreich auch die acht Orientierungspunkte für das Commoning, die hier aufgeführt werden.

Im zweiten Kapitel des Buches werden Commons beispielhaft beschrieben. Gerade dieses Kapitel fasziniert, weil es illustriert, dass alles Commons sein oder werden kann: Durch Prozesse geteilter Verantwortung, in Laboratorien für Selbstorganisation und durch Freiheit in Verbundenheit. Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und den verschiedensten Themengebieten menschlichen Zusammenlebens. Mal geht es darum Ressourcen (Land, Wald, …) miteinander zu bewirtschaften zu verwalten, mal geht es um Commons aus dem IT-Bereich. Der Bogen ist weit gespannt.

Das drittel Kapitel beschreibt das gesellschaftskritische Potenzial, das den Commons zu eigen ist. So lassen sich die Commons auch als Gegenmodell zum an Gewinn und Eigennutz orientierten Wirtschaften verstehen. Überall da, wo Commons entstehen, sind sie Künder einer Welt, die vom Zusammenleben und gemeinsamer Verantwortung geprägt ist. Sie sind gelebte Utopie. Sie organisieren Zusammenarbeit ohne Abhängigkeit von Markt oder Staat.

Menschen, die die Welt nachhaltig verändern möchten, finden in diesem Buch Bausteine eines Zusammenlebens, denen ein großes Potential innewohnt.

Natürlich ist das Buch mit einer Creative-Commons-Lizenz ausgestattet und findet sich voll umfänglich im Netz: https://commonsblog.wordpress.com/about/.

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