022017

Foto: Alex Knight

Konzept

Klaus Henning

Wie künstliche Intelligenz unsere Welt verändert

Heutige Veränderungen haben einen neuen Treiber, der vor einigen Jahren noch eine untergeordnete Rolle spielte: die Künstliche Intelligenz. Die Frage, wie diese die zukünftige Welt beeinflussen wird, kann man mit einem einzigen Satz zusammenfassen:

Maschinen bekommen ein eigenes Bewusstsein.

Diese technologische Veränderung wird unsere gesamte Welt verändern und beeinflussen. Und dies möchte ich in fünf Thesen zusammenfassen:

  1. Das Zeitalter des digitalen Universums steht erst ganz am Anfang: Jeder von uns und alles wird miteinander intelligent vernetzt sein.
  2. Es gibt keine Beschränkungen: Intelligente KI Systeme werden in alle Bereiche dieser Welt eindringen. Das Zeitalter der Maschinen mit eigenem Bewusstsein beginnt.
  3. Unter diesen Rahmenbedingungen entsteht ein neuer Menschentyp mit einem völlig neuen Verständnis für Beziehungen zwischen Menschen und zu Maschinen. Es beginnt das Zeitalter des global-regionalen Homo Zappiens.
  4. Diese neuartigen Interaktionen von digitalen Schatten und intelligenten Agenten zu Menschen und Maschinen ist der Beginn des Zeitalters hybrider Intelligenz.
  5. Um diese Dimension der digitalen Transformation zu bewältigen und zu gestalten bedarf es turbulenztauglicher Gestaltungsprinzipien. Agilität, Achtsamkeit und Vertrauen sind gefragt.

Ein historischer Vergleich

Johannes Gutenberg hat im Jahr 1450 angefangen, sich mit dem Thema Buchdruck zu beschäftigen. Er hat nur 10 Jahre gebraucht, um von einem sogenannten Reliquienspiegel zu einem Massenbuchdruck zu kommen und weitere 10 Jahre später war Gesamteuropa übersät mit Druckereien. Zum Zeitpunkt 1450 war nichts da. Weder den Papierdruck noch die Rotationsdruckmaschine gab es. Man kannte den beweglichen Buchstaben noch nicht. Und nur 10 Jahre Entwicklungsdauer muss für die damalige Zeit ein regelrechter Innovationsschock gewesen sein.

Nur 10 Jahre Entwicklungsdauer muss für die damalige Zeit ein regelrechter Innovationsschock gewesen sein.

Was waren die Erfolgsfaktoren von Gutenberg? Er war ein Mensch, der gegen den Zeitgeist gelebt hat. Er war ein richtiger Dickschädel und er hat unglaublich viel Kapital in die Hand genommen, um seine Ziele zu verwirklichen. Er hat dabei auch viel riskiert: Seine eigenen Lebensversicherungen hat er z.B. fast alle verpfändet. Die Idee war ihm wichtiger als sein eigener Profit. Und schließlich war Gutenberg verliebt in Skalierungen. Er war ein richtiger Produktionsingenieur. Außerdem hat er es verstanden, die Basisinnovation – den reproduzierbaren Buchstaben – zu erfinden, und für seine eigenen Zwecke – den Massenbuchdruck – nutzbar zu machen. Das tragische – und das sollte uns eine Warnung sein: Seine eigene Heimatstadt Mainz wurde 20 Jahre später durch einen Krieg zerstört, bei dem zum ersten Mal massenhaft gedruckte Flugblätter zum Einsatz kamen.

Das Zeitalter des digitalen Universums

Heute stehen wir vor einer ähnlich fundamentalen disruptiven Innovation: Alles und jedes wird mit einander vernetzt. Die Entwicklung in diese Richtung ist schon länger angelaufen, aber mit dem Einzug von menschenunabhängiger Intelligenz in diese vernetzten Systeme kommen wir in eine neue Dimension. Die Gegenstände und Objekte des täglichen Lebens, aber auch die Fahrzeuge und Gebäude bekommen auf der Basis riesiger sogenannter „Big Data Lakes“ ein eigenes Bewusstsein. Eine neue Dimension dabei ist, dass wir umgeben sind mit digitalen Agenten, Digital Twins und digitalen Schatten. Das fängt mit den zukünftigen Smartphones an, die zu intelligenten „persönlichen Agenten“ werden.

Eine neue Dimension ist, dass wir umgeben sind mit digitalen Agenten, Digital Twins und digitalen Schatten. Das fängt mit den zukünftigen Smartphones an, die zu intelligenten „persönlichen Agenten“ werden.

Aber auch um uns herum werden viele Agenten entstehen, die mit unserem persönlichen Lebensvollzug eng in Verbindung stehen. Wir stehen z.B. kurz vor der interaktiven Medienzentrale im eigenen Haus, die sich um den Kühlschrank kümmert, die die gesamte Energieversorgung kontrolliert und ans Frühstück erinnert. Die denkende Stoßstange des Autos hingegen ist noch etwas weiter weg. Aber es ist auch absehbar, dass wir in polymere Werkstoffe Intelligenzen einbauen können, die z.B. dazu führen können, dass die Stoßstange bemerkt, wenn ein Fußgänger in der Nähe ist und weiche Materialeigenschaften annimmt. Auch implantierte Herz-Kreislaufpumpen sind keine Zukunftsmusik mehr. Und ebenso wird Kleidung, in die Computer integriert sind, normal werden. Vielleicht werden wir sogar eine Vorschrift dafür haben, dass unsere Kinder auf dem Schulweg intelligente Kleidung tragen müssen. Es könnte auch kooperative Gebäudestrukturen geben, in denen Menschen intensiv miteinander kommunizieren: virtuell offene Strukturen zwischen den Mietwohnungen. Hierzu wird heute von der TU Chemnitz in einem großen sogenannten Plattenbau in Leipzig mit 200 älteren Menschen experimentiert, u.a. mit dem Ziel eine Art “Führerschein 4.0” zu entwickeln, der dazu befähigt, mit der uns umgebenden „4.0-Umgebung“ angemessen umzugehen.

Das Zeitalter der Maschinen mit eigenem Bewusstsein

Die künstliche Intelligenz hat keine Begrenzungen und wird alle Bereiche dieser Welt erobern. Das Zeitalter der Maschinen mit eigenem Bewusstsein beginnt jetzt. Aber zunächst einmal: Was ist denn der Kern der künstlichen Intelligenz? Warum führt das heute dazu, dass wirklich alle Bereiche davon beeinflusst werden? Und warum ist das sogenanntem „Deep Learning“ – was nichts anderes darstellt als rückgekoppelte neuronale Netze – das entscheidende Durchbruchsinstrument für künstliche Intelligenz, obwohl die Theorie dazu schon vor über 30 Jahren erfunden wurde?

Der entscheidende Grund ist die Datenverfügbarkeit durch die extreme Vernetzung und die digitalen Infrastrukturen, die die Voraussetzung dafür bilden, dass sich die rückgekoppelten neuronalen Netze wirksam entfalten können. Die Kombination aus Schnelligkeit im Umgang mit Unmengen von Daten, einem relativ einfachen Lernalgorithmus und ganz wenigen notwendigen „a priori“-Kenntnissen beschreibt den Kern der Leistungsfähigkeit moderner künstlicher Intelligenz.

Produkte werden in Zukunft als Super-Agenten agieren.

Dazu möchte ich Ihnen in einem Beispiel den „intelligenten Schuh“ vorstellen, der bereits zum Zeitpunkt seiner Bestellung eine Identität erhält. Er weiß, wer er ist und er weiß auch wer sein Kunde ist. Er weiß, was der Kunde von ihm will, ob er zum Beispiel die Parameter des Kunden überwachen soll. Und er weiß auch, wie sein Zustand und sein Weg sein wird: Er wird sich durch die Fertigungseinrichtungen durcharbeiten müssen, in der es keine klassische zentrale Steuerung mehr gibt. Die Produktions- und Transporteinheiten sind natürlich ihrerseits in einer Symbiose mit ihren intelligenten Agenten, die mit den intelligenten Schuhen verhandeln. Das alles könnte „demokratisch“ nach dem politischen Prinzip der Gewaltenteilung und -verschränkung erfolgen, eine Methode, für die es bereits eine erste Anwendung für textile Webautomaten gibt.

Wenn der intelligente Schuh dann auf diese Art und Weise fertig gestellt ist, dann wird in naher Zukunft ein automatischer Transportbehälter alles weitere übernehmen. Solche vollautomatischen LKW sind nichts Neues – wir sind mit einem Konsortium der RWTH Aachen und Industriepartnern im Rahmen des Projekts KONVOI schon 2009 über 5.000 km vollautomatisch im fließenden Verkehr auf deutschen Autobahnen gefahren.

Halten wir fest: Produkte werden in Zukunft als Super-Agenten agieren. Diese planen ihre Produktion und ihren Transport selbst. Sie haben Anforderungen an andere Agenten, zum Beispiel an eine Fertigungseinrichtung und sie verhandeln mit anderen Agenten über Ressourcen – auf der Straße oder in der Fertigung.

Zeitalter des global-regionalen Homo Zappiens

Es entsteht ein neuer Menschentyp mit einem völlig neuen Verständnis für Beziehungen zwischen Menschen und zu Maschinen. Was wird neu sein an dem Homo Zappiens? Er kann Multitasking und zwar von Anfang an. Er kann nichtlinear denken. Etwas übertrieben ausgedrückt: Das sechsjährige Kind kann heute 20 Dinge parallel, aber nicht eine Sache fünf Minuten. Und das ist nicht schlecht.

Alle diese Entwicklungen haben schon in den letzten Jahrzehnten zu einem neuen Menschentyp geführt, den der holländische Wissenschaftler Win Veen den Homo Zappiens nennt. Es entsteht ein neuer Menschentyp mit einem völlig neuen Verständnis für Beziehungen zwischen Menschen und zu Maschinen. Win Veen hat diese Gedanken zum ersten Mal 2006 vorgetragen – damals erschien sie noch etwas visionär, sie haben bei mir jedoch „wie ein Blitz“ eingeschlagen.

Es ist bereits Alltag, dass wir neue Formen von Networking haben und tagtägliche Routinen über große Distanzen hinweg teilweise rund um diesen Globus organisiert werden. Es ist auch schon normal geworden, dass wir uns in weltweit verteilten virtuellen Arbeits- und Lebensumgebungen aufhalten. Aber was wird neu sein an dem Homo Zappiens? Er kann Multitasking und zwar von Anfang an. Er kann nichtlinear denken. Etwas übertrieben ausgedrückt: Das sechsjährige Kind kann heute 20 Dinge parallel, aber nicht eine Sache fünf Minuten. Und das ist nicht schlecht, sondern gut, weil diese Generation schon an die neuen Bedingungen von Informationsüberflutungen angepasst ist. Sie hat schon Selektionskriterien und sie ist schon hochparallel.

Was sich ändern muss, ist der Bildungsprozess.

Das ist auch das, womit wir als Manager radikal konfrontiert werden. Wir bekommen eine andere Generation von Menschen in unsere Unternehmen. Dieser müssen wir etwas bieten. Sie tickt anders und sie will anders arbeiten, weil ihnen die alten Strukturen veraltet erscheinen. Es kann also nicht ausbleiben, dass Lernprozesse ganz anders gestaltet werden müssen. Lernen durch Erfahrung, durch Events, durch Freude wird der Trend sein müssen, wenn die Systeme von Universitäten und Schule nicht in einer Sackgasse enden wollen. Lernen muss weiter Spaß machen. Die Kinder und Jugendlichen bewegen sich dazu zum Beispiel intensiv in sozialen Medien der unterschiedlicher Art – in Kanälen wie freekickerz, Gronkh, BibisBeautyPlace, LeFloid, Emrah, Mr Wissen2go oder vor allem TheSimpleClub. Aus Schülersicht ist letzteres besser als jedes Schulbuch.

Viel gravierender wird der Change in der Arbeitswelt sein.

Lernen durch Erfahrung, durch Events, durch Freude wird der Trend sein müssen. Lernen muss weiter Spaß machen. Aus Schülersicht ist das besser als jedes Schulbuch.

Mit den Systemen der Künstlichen Intelligenz wird menschliche Arbeit ersetzt oder verändert werden. Das betrifft die White-Collar Jobs genauso wie hoch qualifizierte Arbeit. So können heute schon IBM-Watson-KI-Computer bestimmte Bereiche des Controllings übernehmen. Dezentralisierte Plattformen werden massiv Einzug halten und Aufgaben auch in der Verwaltung übernehmen. Diese Entwicklung wird einen enormen Rationalisierungseffekt zur Folge haben – ganz zu schweigen von den autonomen Systemen in der Luft und auf der Straße.

Aber das vollautomatische Auto wird nicht einfach „nur“ vollautomatisch fahren. Es wird zum Beispiel der zentrale digitale Zwilling für mobile Pflegekräfte werden und in Schwarmintelligenz mit seinen Kollegen-Fahrzeugen die gesamte Disposition, Dokumentation, Stauüberwachung, Wegeoptimierung etc. übernehmen. Die Pflegekraft kann dann einfach in das Fahrzeug einsteigen und etwa mit Skype direkt das Gespräch mit dem nächsten Patienten anfangen, den sie besucht. In diesem Fall wird dann das Fahrzeug als sozialer Roboter Teil unseres Alltags.

Das Zeitalter hybrider Intelligenz

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Mensch-Maschine-Interaktion 4.0 eine völlig neue Dimension der Kooperation zwischen Mensch und intelligenten Objekten schafft. Das Zeitalter hybrider Intelligenz zwischen Menschen, Maschinen und den jeweiligen Digitalen Schatten hat begonnen.

Der soziale Roboter wird Teil unseres Alltags.

Die Zeit der Vorherrschaft des Menschen über die von ihm geschaffenen Objekte geht zu Ende. Natürlich hat die Mensch-zu-Mensch-Interaktion auch in Zukunft eine ganz fundamentale Bedeutung – vielleicht noch eine größere wie heute. Es wird kein Weg daran vorbeigehen. Wir setzen uns z.B. immer häufiger viel zu spät zusammen, um miteinander über die wichtigen Dinge zu reden. Und es ist sicher eine der größten „Unkulturen“ der letzten 20 Jahre, dass man glaubt, Mensch-zu-Mensch-Interaktion über E-Mails bewerkstelligen zu können. Vielmehr sollte man doch so manchen E-Mail-Verkehr verbieten und Menschen dazu zwingen, sie sich von Angesicht zu Angesicht – oder wenigsten per Skype – zu treffen, um einen Disput zu lösen.[sidequte]Die Zeit der Vorherrschaft des Menschen über die von ihm geschaffenen Objekte geht zu Ende. Es wird zu einer zunehmenden „Partnerschaft auf Augenhöhe“ kommen.[/sidequote]

Auch die Mensch-Maschine-Interaktion wird auf den unterschiedlichen Ebenen bleiben, ob am Bildschirm oder mit dem digitalen Agenten der Maschine oder der realen Maschine spielt keine Rolle. Es wird aber zu einer zunehmenden „Partnerschaft auf Augenhöhe“ kommen müssen. Der Gedanke der „Vorherrschaft“ des Menschen vor der Maschine trägt nicht mehr.

Die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, die ohne Menschen läuft, wird rasant zunehmen, eben weil jede Maschine von ihren digitalen Agenten durchsetzt ist. So enthält zum Beispiel die oben genannte Webmaschine ca. 200 Software-Agenten und keine SPS-Steuerungen mehr. Diese Agenten haben sogar ein Wahlrecht und wählen sich „ihre“ Koordinatoren bzw. Sprecher aus. Hier entstehen digitale Schattengebilde, mit denen man zwar interagieren kann, die in sich aber selbstständig so etwas wie eine Art „Schattenwirtschaft“ der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation bildet.

Langfristig gesehen werden alle technischen Objekte der realen Welt intelligent werden

Das ist der eigentliche „Blitz“, der eingeschlagen hat: Langfristig gesehen werden alle technischen Objekte der realen Welt intelligent werden und Selbstbewusstsein sowie Selbstwahrnehmung entwickeln. Es wird einen lebenslangen Lernprozess dieser Objekte geben.

Die digitalen Schatten, die „digitale Haut“ wird ein dominanter Part von Technologie und menschlicher Identität werden und zwar sowohl in der Kommunikation zwischen Maschinen und Maschinen, zwischen Menschen und Menschen und zwischen Maschinen und Menschen. Es entsteht eine „Dynamik der digitalen Schatten“, die parallel abläuft und zunehmend eine hohe Intelligenz entwickeln kann.

Das ist der eigentliche „Blitz“, der eingeschlagen hat: Langfristig gesehen werden alle technischen Objekte der realen Welt intelligent werden und Selbstbewusstsein sowie Selbstwahrnehmung entwickeln. Es wird einen lebenslangen Lernprozess dieser Objekte geben, die untereinander mit ihren technischen Partnern lernen, aber auch mit den Menschen. Auch Fahrschulen für technische Objekte werden selbstverständlich werden. Diese allgegenwärtige und unauffällige Interaktion zwischen den digitalen Schatten von Technologie und Menschen wird alle Aspekte von Kommunikation dominieren.

Dies hat enorme Auswirkungen auf die digitale System-Landschaft mit den Dimensionen, dass die Intelligenz überall ist, dass die physikalische und digitale Welt gekoppelt ist und dass wir neuartige Infrastrukturen brauchen.

Erfolgsfaktoren menschlichen Handelns: Agilität, Vertrauen und Achtsamkeit

Lassen Sie mich eine Schlussbemerkung machen: Was sind die Erfolgsfaktoren für so eine nachhaltige digitale Transformation, die unter dem dominanten Faktor der künstlichen Intelligenz stattfindet? Nach unseren Erfahrungen der Beratung mit P3 OSTO sind unter diesen turbulenten Bedingungen Agilität, Vertrauen und Achtsamkeit die zentralen Erfolgsfaktoren. Jeder Faktor für sich ist aus meiner Sicht absolut notwendig für das Gelingen dieses Wandels – es sind „K.O.-Faktoren“. Wenn einer dieser drei Faktoren nicht klappt, scheitert das Ganze.

Was sind die Erfolgsfaktoren für so eine nachhaltige digitale Transformation? Agilität, Vertrauen und Achtsamkeit. Das ist eine riesige Baustelle.

Agilität meint nicht nur die Anwendung von Scrum oder einer Methode der Software-Entwicklung, sondern meint, dass die gesamte Struktur eines Unternehmens von der Produktentwicklung über die Produktion, Produktionsänderungen, über Ramp-Up-Prozesse bis hin zu Verwaltungsstrukturen nach den Prinzipien der Agilität durchgeführt werden. Dies ist eine riesige Baustelle, in der in der Regel die Bereiche der Produktentwicklung weiter sind als der Rest des Unternehmens. Und die zentralen Bereiche der Verwaltung, der Finanzen und des Controllings tun sich in der Regel schwerer, obwohl sie es häufig nötiger hätten.

Es braucht als außerdem eine Kultur des Vertrauens – vertikal und horizontal zwischen den Abteilungen. Wenn Sie dies in Ihrer Organisation nicht haben, vergessen Sie die ganze Transformation! Sie wird nicht gelingen.

Und wenn Sie keine Achtsamkeit haben – wenn Sie sich nicht fragen: Was passiert hier eigentlich gerade? Was passiert kulturell? Was haben wir für Spannungen? – wenn Sie dies nicht in der Breite und Vielfalt wahrnehmen, auch dann werden Sie keinen Erfolg haben. Achtsamkeit ist die Kunst, die ganze Komplexität und Dynamik (Dynaxity) wahrzunehmen und nicht zu verdrängen. Achtsamkeit ist aber dann erst eine Kunst, wenn man gelernt hat, diese Wahrnehmungen auszuhalten und nicht gleich in den Reflex zu verfallen überstürzt etwas anzugehen.

Jedes dieser drei Merkmale muss mit hoher Qualität erfüllt sein, damit Veränderung klappen kann. Ich erlaube mir, Ihnen dazu zwei Bücher zu empfehlen: „Die Egofalle – 7 Möglichkeiten Ihr Geschäft zu ruinieren“ (Renate Henning) und „Die Kunst der kleinen Lösung – Wie Menschen und Unternehmen die Komplexität meistern“ (Klaus Henning).

Möge es uns allen gelingen, die neue Welt der hybriden Intelligenz von Menschen und künstlicher Intelligenz aktiv werteorientiert zu gestalten, bevor es andere verantwortungslos tun.