012012

Foto: Wilbert Baan: WIRED: Build a Web Web 2.0 startup (CC BY-NC-SA 2.0), Bildausschnitt

Praxis

Alexandra Hessler

Facebook und soziale Einrichtungen – Geht das zusammen und wenn ja, wie?

1. Zur Einleitung: ein persönliches Statement

Ich bin auf Facebook. Mehr noch: ich bin gerne auf Facebook. Ich bin ein sehr durchschnittlicher Facebooknutzer: ich habe aktuell 131 Freunde (Durchschnitt 130), von denen ich alle persönlich kenne. Ein Teil davon sind alte Schulfreunde, von denen ich jahrelang nichts gehört hatte, und mit denen ich jetzt per Facebook wieder in unregelmäßigem und vor allem unverbindlichem Kontakt bin – besonders darüber freue ich mich, denn diese Art des Kontakthaltens wäre ohne Facebook sicher nicht möglich, und ich schätze gerade das Unverbindliche daran. Was ich im Schnitt 3mal täglich poste, sind vor allem Musiktipps, lustige Dinge, die mir passieren oder zu welchen Veranstaltungen ich gehe. Meine Freunde posten ähnliches, so dass ein reger Austausch stattfindet, Mund-zu-Mund-Propaganda sozusagen, oder neudeutsch „virales Marketing“. Darüber hinaus bin ich Fan einiger Firmen und Institutionen, für die ich mich wirklich interessiere und über deren Informationen ich mich freue und die ich nutzen kann (z.B. bin ich Fan von Allfacebook, um mich auf dem neuesten Stand zu halten und von Bergbauernmilch, die ich tatsächlich kaufe). Mehr noch: bei denen ich gerne „mitmache“ und „mitrede“. Ich lese und kommentiere gerne gute Posts oder teile sie meinen Freunden mit. Quasi nebenbei, während ich noch eine Tasse Kaffee trinke oder kurz bevor ich den Rechner herunterfahre. Man könnte kritisch anmerken, dass ich mir nicht wirklich Zeit für Freunde, Informationen und Kultur nehme. Weil ich auf Facebook eben nur „nebenbei“ Wissen und mehr konsumiere.

Ich bin gerne auf Facebook, auch wenn ich es bedenklich finde, dass der Riesenkonzern mit meinen Daten Geld verdient, dass er ein detailliertes Profil von mir erstellen kann und unter Umständen sogar weitergibt. Aber da geht es mir wie mit meinem Auto: mir ist klar, dass ich damit die Luft verschmutze und wertvolle Ressourcen verschleudere. Aber ich liebe es dennoch, einfach und bequem von A nach B zu gelangen. Ich nehme die Nachteile in Kauf und beruhige mein Gewissen damit, dass ich versuche, mein Auto wenigstens einigermaßen sinnvoll zu gebrauchen und nicht jeden noch so kurzen Weg damit zurückzulegen. Genauso verfahre ich mit Facebook: ich weiß um die Nachteile, und bemühe mich, diese soweit möglich zu minimieren. Ich gebe nicht jedes Detail meines Privatlebens preis, meine private Handynummer sucht man im Internet vergeblich und meine Statusmeldungen würden niemals meinen Promillestand nach einer durchfeierten Nacht enthalten. Ich versuche also, das Beste von Facebook für mich zu nutzen ohne zu viele Nachteile davon zu haben. Wie die meisten der 20 Mio. deutschen Nutzer nehme ich an. „Facebook-Für-und-Wieder“ eben.

Ich wäre auch ein typischer Mensch, der sich sozial engagiert und bildet, wenn ich Zeit und Muße dazu hätte. Aber: wie viele Menschen vor allem meiner Generation, die jetzt zwischen 35 und 45 Jahre alt ist und in der sogenannten Rush Hour des Lebens Kinder, Karriere und teilweise der Pflege von Eltern gerecht werden will, habe ich Zeit und Muße nur häppchenweise zur Verfügung. Ich würde sehr gerne Schwedisch lernen, mich mehr mit bestimmten PC-Anwendungen beschäftigen und kurz abschalten können, z.B. mit einer kleinen Yogaübung am Schreibtisch. Dazu könnte ich kleine Einheiten aus dem Netz nutzen, die eben diese Häppchen an Wissen und mehr bieten. Aber die müsste ich erst finden. Das gleiche gilt für soziale Angebote. Netzwerke könnten mir die Kontakte erleichtern. Genau dieser persönliche Austausch kann seit Facebook auch online vertieft werden.

2. Zur Umsetzung: wie und wo beginnen?

Wenn soziale Einrichtungen nun anfangen, Facebookseiten einzurichten und sich auf Fansuche begeben, dann bedarf es natürlich in irgendeiner Form eines Konzepts, denn anders als bei einem privaten Profil gibt es bei Unternehmensseiten zum einen rechtliche Gegebenheiten wie Datenschutz zu beachten, auf der anderen Seite sollte die Seite natürlich so mit Leben gefüllt werden, dass ein tatsächlicher Mehrwert für alle Beteiligten entsteht.

Folgende Fragen sind zu beantworten:

  • Nutze ich selbst/jemand aus der Einrichtung Facebook? Und das auch gerne?
  • Welchen Nutzen versprechen wir uns?
  • Welche Ziele verfolgen wir?
  • Wie viel Zeit wollen wir uns für Facebook nehmen?
  • Wie verbinden wir Facebook mit unseren sonstigen Kommunikationskanälen?
  • Wie sieht die rechtliche Situation aus?

Vor allem die erste Frage muss jede Einrichtung für sich selbst beantworten, denn das Entscheidende Kriterium ist bei Facebook mehr als bei allen anderen Kommunikationskanälen bisher die persönliche Involviertheit und der „Spaßfaktor“. Denn der ist bei Facebook nicht zu verachten, weshalb es auch weniger als „klassisches“ Werbemedium verstanden werden darf, mit dem Veranstaltungen beworben werden, sondern vielmehr als eine Art ins Mitmachweb hinein erweiterte Einrichtung. Die Frage nach dem Nutzen sollte man daher auch keinesfalls (nur) mit „mehr Leuten generieren“ beantworten, sondern z.B. auch im Hinblick auf Microlearning, Kundenbindung, Communitybildung und Imagepflege/Image-Neuausrichtung durchdenken.

Konkrete Starthilfen

Auf einige der oben genannten Fragen gibt es bereits Antworten und Konzepte, die etwaige Hemmschwellen für einen Einstieg abbauen können – wie etwa die zeitaufwendige Pflege einer Facebook-Seite oder rechtliche und/oder technische Änderungen.

Hier sind der Austausch, die Vernetzung und das Mitmachen sind von entscheidender Bedeutung. Also die „Viralität“, die eben für jede Form von Social Media kennzeichnend ist. So können allgemein gültige Handreichungen und Richtlinien verbreitet werden, oder das Redaktionsangebot des Content Kaufhaus genutzt werden, das für passenden Facebook-Content sorgt.

Content

Die Idee ist, von zentraler Stelle aus täglich guten Content zur Verfügung zu stellen , der über die Funktion „Teilen“ per Mausklick Posts in die eigene Seite eingebunden werden können. Dies könnte sein z.B. ein Link auf gelungene YouTube-Videos. Dort können sie dann kommentiert werde, vielleicht auch von einem Mitarbeiter, der dies unter seinem persönlichen Profil tut oder – im besten Fall – von engagierten Kunden (z.B. mit „LOL“). Im Idealfall „liked“ der Kunde den Post, weil das Video so amüsant ist, seine Freunde sehen es daraufhin auch, stellen fest: „das ist ja ziemlich cool!“ und verbreiten den Link noch weiter – wobei jeweils der Verweis auf die Einrichtung erhalten bleibt.

Fans gewinnen

Die Gewinnung von Fans ist z.B. mit Hilfe eines Newsletters ein Leichtes, auch über Programmheft, Anzeigen, Gewinnspiele, u.ä. kann die Seite bekannt gemacht werden. Von besonderer Bedeutung sind Mitglieder oder Mitarbeiter, die von Anfang an aktiv eingebunden werden müssen. Vor allem diejenigen, die bereits auf Facebook aktiv sind, können dabei eine große Hilfe darstellen. Im Idealfall findet nach kurzer Zeit tatsächlich ein reger Austausch auf der Facebookseite statt, die Einrichtung selbst ist nur noch eine Art Initiator für die Gemeinschaft. „Community“ heißt Gemeinschaft auf Neudeutsch – die soziale Community kann durch Facebook eine neue Qualität und Festigung erhalten.

Also anmelden, ausprobieren, mitmachen, sich vernetzen, Wissen verbreiten, Freunde gewinnen, eine Plattform für persönlichen Austausch bieten – lebendiges Netzwerk sein.

Schlagworte

Soziale Netzwerke