012020

Foto: Mert Guller/Unsplash

Konzept

Klaus Vellguth

Ein wenig komplizierter als Starbucks

Über das Synodalprinzip und das Netzwerkprinzip der Kirche

Sprecher: Uli Keip

Was hat die Kirche mit Starbucks gemeinsam?1 Wer heute nach New York, Rio de Janeiro, Hamburg, Manila oder Chiang Mai reist, trifft dort überall auf Cafés der Starbucks-Kette. Diese sind Symbol einer sich globalisierenden Welt, was von den Einen als amerikanisch-europäischer Kulturimperialismus, von Anderen als eine Ausbreitung weltweit geschätzter Angebote bewertet wird. Unabhängig von dieser stets subjektiven Bewertung kann ein Besucher in den Starbucks-Läden überall auf dem Globus aber die gleiche, erstaunliche Erfahrung machen: Egal, ob der Besucher Starbucks in Europa, Amerika, Asien oder Australien betritt – ihn erwartet dort ein identisches Produkt, das ihn in einem gleichen Ambiente offeriert wird. Starbucks-Cafés weisen stets die gleiche Anmutung auf, die farbliche Gestaltung der Räume ist ähnlich, das Mobiliar identisch, die Kleidung der Baristas normiert, und selbst die Hintergrundmusik in Seattle und Seoul klingt gleich. Starbucks ist ein multinationaler Konzern, der sich ähnlich wie Coca Cola, Microsoft, McDonalds & Co als erfolgreicher Global Player positioniert.

Starbucks gilt heute als Symbol der Globalisierung. Aber ist Starbucks deshalb auch ein Modell für eine katholische Kirche, die ja als ältester Global Player auch weltweit in allen Ländern der Erde vertreten ist und die im Zentrum ihres eigenen Selbstverständnisses, in der zweiten Epiklese des Hochgebets, immer wieder um ihre eigene Einheit bittet? Oder muss die Frage der Einheit in der Vielfalt in der katholischen Kirche doch ein wenig differenzierter gedacht werden? Zuletzt haben die Auseinandersetzungen rund um die Amazonassynode und nicht zuletzt Diskurse über eine mögliche regionale Zulassung von viri probati „ad experimentum“ gezeigt, dass diese Frage eine große Relevanz für die katholische Kirche zu Beginn des dritten Jahrtausends besitzt.

In dieser Weltkirche müssen die Verhältnisse der Ortskirche und Universalkirche, der Einheit und Vielfalt, der Homogenität und Heterogenität, der Abgrenzung und Distinktion immer neu ausbalanciert werden.

Es kann bei der Beantwortung dieser Frage weder um Uniformität noch um Separatismus gehen, sondern um ein dem Evangelium entsprechendes, zukunftsfähiges Miteinander der Ortskirchen, die sich gemeinsam als die eine katholische Kirche verstehen. Im Zeitalter einer sich globalisierenden Welt wird dabei die Kommunikation der im besten Sinn immer selbstbewusster werdenden Ortskirchen untereinander zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es geht um den lebendigen Austausch zwischen den Kirchen in Afrika, Lateinamerika, Asien, Australien und Ozeanien, Nordamerika und Europa. Es geht bei der Entwicklung einer Einheit in der Vielfalt in der Kirche letztlich darum, in den Ortskirchen religiöse Isolation zu überwinden, nicht in der Begrenztheit der eigenen Existenz stehenzubleiben und über den Kirchturm hinaus zu blicken, um von den Lebens- und Glaubenserfahrungen anderer Christinnen und Christen in unterschiedlichen, vielleicht aber doch auch vergleichbaren kulturellen Kontexten zu erfahren. Und dabei auch noch das eigene Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Weltkirche – darauf haben die deutschen Bischöfe sowohl in ihrem Missionsdokument „Allen Völkern Sein Heil“ aus dem Jahr 2004 als auch in ihrem im vergangenen Jahr 2019 veröffentlichten Missionsdokument „Evangelisierung und Globalisierung“ verwiesen – eine Solidar-, Gebets- und eben auch eine Lerngemeinschaft darstellt. In dieser Weltkirche müssen die Verhältnisse der Ortskirche und Universalkirche, der Einheit und Vielfalt, der Homogenität und Heterogenität, der Abgrenzung und Distinktion immer neu ausbalanciert werden. Es geht um nicht weniger als ein zeitgemäßes, zukunftsfähiges ekklesiologisches Verständnis von Katholizität.

Der Streit der Kardinäle

Wie kann ein solches ekklesiologisches Verständnis von Katholizität aussehen? Über diese Frage haben Joseph Ratzinger und Walter Kasper auf höchstem theologischen Niveau gestritten. Im Juni 1992 veröffentlichte die Glaubenskongregation das Dokument „Über einige Aspekte der Kirche als Communio“, um zu einer ekklesiologischen Klärung beizutragen. Hintergrund war die Beobachtung, dass es in der Interpretation des Communio-Verständnisses zu einer Verkürzung des konziliaren Communio-Begriffs vor allem mit Blick auf die Kirchenbegriffe vom Volk Gottes, vom Leib Christi und vom Sakrament gekommen sei.2 Darüber hinaus war festgestellt worden, dass nicht zuletzt bei der Interpretation von LG 23 zahlreiche Theologen dazu neigen würden, eine „Selbstgenügsamkeit“ der Ortskirchen zu befürworten und die Universalkirche nur noch als ein Produkt des Zusammenschlusses der einzelnen Ortskirchen zu betrachten. In ihrem Dokument wies die Glaubenskongregation auf die „ontologische und zeitliche Vergänglichkeit“ der Universalkirche im Eigentlichen ihres Geheimnisses vor den Teilkirchen3 hin, was von zahlreichen Theologen als Fehlinterpretation der Konzilsaussagen ausgelegt wurde.4

Weder Uniformität noch Separatismus, sondern ein dem Evangelium entsprechendes, zukunftsfähiges Miteinander der Ortskirchen, die sich gemeinsam als die eine katholische Kirche verstehen.

Auf eine grundsätzlich positive Resonanz stieß die Intention des Dokumentes, einer Enttheologisierung des Kirchenbegriffs entgegenzutreten. Diese Tendenz betraf weniger die ekklesiologischen Reflexionen der Theologen selbst, sondern eher das allgemeine Verständnis von Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung. „Demnach wird Kirche primär als ,religiöse Dienstleistungsgesellschaft‘ angesehen, der man bestimmte religiöse, pädagogische und soziale Kompetenzen zuschreibt, deren theologisches Geheimnis aber weitgehend verborgen und vergessen ist.“5 Im weiteren Verlauf geht das Dokument der Glaubenskongregation auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Universalkirche und Teilkirchen ein und verweist dabei auf das Kirchenbild der Kirche als Leib Christi.6 Dabei wird die deuteropaulinische Deutung des Bildes vom Leib und seinen Gliedern aufgegriffen und erklärt: „Wie schon die Idee vom Corpus Ecclesiarum (Leib der Kirchen) verlangt, dass eine Kirche das Haupt der Kirchen ist – dies ist eben die Kirche von Rom, die der ,universalen Gemeinschaft der Liebe vorsteht‘, so erfordert die Einheit des Episkopates, dass ein Bischof das Haupt des Corpus (Körperschaft) oder Kollegiums der Bischöfe ist, und dies ist der Bischof von Rom.“7 Mit dieser Formulierung wird implizit ein Vorrang der römischen Kirche vor den anderen Kirchen beschrieben. Dies wird letztlich schon an der Wahl der Formulierung deutlich. Yves Congar hat herausgearbeitet, dass es in der Kirchengeschichte bestimmte Schlüsselbegriffe gibt, um die Vorrangstellung der römischen Kirche zu beschreiben: „caput, mater, cardo, fons, fundamentum. Sie bringen den gleichen Gedanken zum Ausdruck: Die römische Kirche ist das Haupt, deren Glieder Leben und Weisung entgegennehmen, sie ist die Mutter, die anderen ihre Töchter, die von ihr erzogen werden (disciplina)“.8 Ohne den Primat des Bischofs von Rom inmitten des Bischofskollegiums in Frage stellen zu wollen, kritisierte Walter Kasper diese Position der Glaubenskongregation, da dadurch zunächst die biblische und patristische Metapher von der Kirche als Leib und Christus als deren Haupt verwendet werde9, um strukturelle und realpolitische Konsequenzen zu ziehen und dadurch darüber hinaus eine Identifikation der theologischen Begrifflichkeit der Universalkirche mit der empirischen römischen Kirche vorgenommen werde.10 Der Disput der beiden Kardinäle war eröffnet und zog sich in immer wieder aneinander anknüpfenden Publikationen noch einige Jahre durch verschiedene Fachzeitschriften, bis es im Jahr 2002 zu einem Einlenken der beiden Kurienkardinäle mit einer wertschätzenden Anerkennung ihrer jeweils unterschiedlichen Positionen kam.

Der Universalkirche käme demnach nicht die Funktion zu, eigene Perspektiven für verbindlich zu erklären.

Der Disput der Kardinäle hat gezeigt: Das Wesen der Universalkirche muss immer neu gedacht, diskutiert, herausgearbeitet und angemessen zur Sprache gebracht werden. Wichtig ist dabei aber, neben der spekulativen Frage nach einem „Wesen der Kirche“ vor allem auch die Funktion der Universalkirche zu bestimmen. Und hier scheint das synodale Denken von Papst Franziskus den Weg inzwischen frei zu machen für ein neues Verständnis von Universalkirche. Der Universalkirche käme demnach nicht die Funktion zu, eigene Perspektiven für verbindlich zu erklären. Die Funktion der Universalkirche wäre es in besonderer Weise, die Ortskirchen miteinander ins Gespräch zu bringen, diese Gespräche zu moderieren und dabei die Erfahrungen und Reflexionen der Ortskirchen auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen. Universalkirche wäre demnach das Communio-Prinzip der Kirche, das danach strebt, die Offenbarung Gottes zu allen Zeiten aufzunehmen und weiterzugeben.

Die Ortskirchen müssen untereinander ins Gespräch gebracht werden, damit sich in diesem Diskurs Universalkirche ereignet.

Das Modalprinzip einer so verstandenen Universalkirche sind dabei zunächst einmal die Synoden. Sie bieten den Raum dafür, dass Ortskirchen zusammenkommen, sich austauschen und die Einheit der katholischen Kirche mit ihren Eigenarten bereichern. In den Synoden spiegelt sich der Reichtum der Weltkirche wider. In ihnen darf all das zur Sprache gebracht werden, was bisher so noch nicht gedacht und gesagt worden ist. Dabei repräsentiert die Universalkirche in besonderer Weise das Prinzip der Solidargemeinschaft (wenn man den Solidaritätsbegriff auf seine ursprüngliche Bedeutung einer Wertegemeinschaft zurückführt), während sich in den Ortskirchen die Weltkirche als Gebetsgemeinschaft und Lerngemeinschaft realisiert. Ein weiteres Modalprinzip wären neben dem Synodalprinzip Netzwerkstrukturen. Ein zukunftsfähiges Modell könnte die Entwicklung und Förderung kirchlicher Netzwerkstrukturen sein. Auch diese spiegeln sich im ekklesiologischen Denken von Papst Franziskus wider, der beispielsweise in seinen Ausführungen über Kriterien einer qualifizierten theologischen Ausbildung ausdrücklich die Notwendigkeit betonte, Netzwerke zu bilden.11

Weltkirchliche Netzwerke entstehen

In dieser Perspektive hat missio in Asien und Afrika seit einigen Jahren Netzwerke initiiert, deren Ziel es ist, als Orte internationaler theologischer und weltkirchlicher Reflexion sowie als Forum für den Austausch konkreter Impulse ein Ferment kirchlicher Innovationen zu sein.12 Im „Netzwerk Pastoral“ kommen in Asien und Afrika beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter von Pastoralinstituten regelmäßig zusammen. Sie reflektieren aktuelle Fragen aus Theologie und Kirche für ihre Arbeit und tauschen sich über Aus- und Weiterbildungsprojekte aus.13 Im „Netzwerk Religionsfreiheit“ bringt missio Vertreter der Kirche und Experten zusammen, die in verschiedenen Ländern das gefährdete Recht auf Religionsfreiheit verteidigen.14 Im „Netzwerk Religion und Gewalt“ diskutieren Theologinnen und Theologen Fragen zum interreligiösen Dialog, zu Frieden und Versöhnung, die für die Zukunft der Menschen und der Kirche in Afrika eine entscheidende Bedeutung haben.15 Und im „Netzwerk Kleine Christliche Gemeinschaften“ bringt missio Expertinnen und Experten in Afrika zusammen, die ihre Erfahrungen mit der spirituellen Form der Gemeinschaftsbildung im Nahbereich austauschen und Perspektiven für partizipative Formen christlicher Ekklesiogenesis entwickeln.16

Der Aufbau der Netzwerke in Asien und Afrika trägt auf den ersten Blick dazu bei, die Lerngemeinschaft Weltkirche sowohl durch eine Förderung des Süd-Süd-Dialogs als auch des Süd-Nord-Dialogs zu stärken, denn es geht ja in den Netzwerken darum, sich miteinander in einen gemeinsamen kirchlichen Austausch und Lernprozess zu begeben. Ziel ist es, in den Netzwerken eine Kultur des Dialogs zu kultivieren, bei der die Kontextualität und Alterität der Gesprächspartner als wertvolle Ressource für die eigene theologische Reflexion erlebt werden kann.17

In den Netzwerken eine Kultur des Dialogs kultivieren, bei der die Kontextualität und Alterität der Gesprächspartner als wertvolle Ressource für die eigene theologische Reflexion erlebt werden kann.

Mit Blick auf den Solidaritätsbegriff, der eine assistenzialistische Reduktion überwindet und die Gemeinsamkeit als das eigentliche Spezifikum der Terminologie aufdeckt, realisiert sich im Aufbau der Netzwerke die Lerngemeinschaft Weltkirche. Sie überwindet dabei die Differenzierung zwischen (finanziell) gebenden und nehmenden Ortskirchen sowie der Dichotomie zwischen Universalkirche einerseits und Ortskirchen andererseits und realisiert Kirche im Mikrokosmos als ein lebendiges Netzwerk, das im Mikrokosmos zeigt, was die Kirche als Universalkirche auf der Ebene des Makrokosmos sein kann, wenn sie eine universalkirchliche Fixierung überwindet. Solch eine zukunftsweisende ekklesiologische Profilierung hat nicht zuletzt Papst Franziskus in seiner programmatischen Exhortatio Evangelii gaudium angemahnt, wenn er schreibt, „das Papsttum und die zentralen Strukturen der Universalkirche haben es nötig, dem Aufruf zu einer pastoralen Neuausrichtung zu folgen“ und wenige Sätze später fortfährt: „Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.“18

Kirche ist komplizierter als Starbucks

Die Ausführungen haben gezeigt: Die Kirche ist zwar ähnlich wie Starbucks ein Global Player, unterliegt aber komplizierteren Spielregeln als der Kaffeeanbieter aus Seattle. Die Kirche ist ein lebendiges System, das sich sowohl in den Ortskirchen als auch in der Universalkirche realisiert. Dabei müssen die Ortskirchen untereinander ins Gespräch gebracht werden, damit sich in diesem Diskurs Universalkirche ereignet.

Die Zeiten des „Roma locuta – causa finita“ sind vorbei. Heute geht es eher um ein „Let’s talk“.

Wie dieser Diskurs mit heterogenen Gesprächspartnerinnen und –partnern aus unterschiedlichen globalen Kontexten gelingen kann, haben die beiden Kardinäle Joseph Ratzinger und Walter Kasper übrigens – vermutlich ungewollt – vorgemacht: Unterschiedliche Ansichten dürfen in der Weltkirche durchaus vorgebracht werden. Sie dürfen auch eine zeitlang „aufeinanderprallen“ – und es darf auch miteinander um gemeinsame, verbindende oder auch unterschiedliche Perspektiven „gerungen“ werden. Es darf aber nicht vergessen werden, bei weltkirchlichen Disputationen eine wertschätzende Perspektive für die Position der Anderen zu entwickeln und deren Alterität anzuerkennen. Wie dies dann jeweils konkret zu realisieren ist, muss im Einzelfall betrachtet werden. Eines ist jedoch mit Blick auf das Verhältnis von Universalkirche und Ortskirchen klar: Die Zeiten des „Roma locuta – causa finita“ sind vorbei. Heute geht es eher um ein „Let’s talk“. Und der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen hat – schön wäre es, wenn es so einfach wäre – nichts damit zu tun, in welcher Sprache sie jeweils formuliert wurden.

  1. Vgl. zum Folgenden Klaus Vellguth, Universalkirche als Netzwerk-Prinzip der Ortskirchen, in: Krämer, Klaus/Vellguth, Klaus (Hg.), Missio
  2. Vgl. dazu auch Joseph Ratzinger, Weggemeinschaft des Glaubens. Kirche als Communio, Augsburg 2002, S. 69: „An diesem Punkt wird auch die enge Verbindung sichtbar, die zwischen dem Begriff communio und dem Verständnis der Kirche als ,Leib Christi‘ besteht; ebenso gehören in den gleichen Zusammenhang verwandte Bilder wie das von Christus als dem wahren Weinstock herein.

    Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.

    Alle diese biblischen Begriffe beleuchten noch einmal die Herkünftigkeit der christlichen Gemeinschaft von Christus. Die ,christliche Gemeinde‘ lässt sich nicht in einer horizontalen, wesentlich soziologischen Weise erklären. Die Beziehung zum Herrn, das Herkommen von ihm und das Verwiesensein auf ihn, ist die Bedingung ihrer Existenz, ja, man kann geradezu sagen: Die Kirche ist ihrem Wesen nach Beziehung, eine durch die Liebe Christi gestiftete Beziehung, die ihrerseits auch eine neue Beziehung der Menschen untereinander begründet.“

  3. Der Begriff „Teilkirche“ wird oft synonym mit dem Begriff „Ortskirche“ verwendet. Medard Kehl schlägt vor, den Begriff „Teilkirche“ gerade mit Blick auf das Verhältnis von Universalkirche und Teilkirche durch den Begriff „Einzelkirche“ zu ersetzen. Vgl. Medard Kehl, „Der Disput der Kardinäle. Zum Verhältnis von Universalkirche und Ortskirchen“, in: Stimmen der Zeit 128 (2003) 5, 222.
  4. Vgl. ebenda, 219.
  5. Ebenda, 222f.
  6. Bei der im Folgenden dargestellten Auseinandersetzung wird besonders auf Art. 9 des Dokuments Bezug genommen. Der Text der Glaubenskongregation lautet: „9. Um den wahren Sinn des analogen Gebrauchs des Wortes Communio zur Bezeichnung der Gesamtheit der Teilkirchen zu verstehen, muss vor allem klar gesehen werden, dass diese als ,Teile der einen Kirche Christi‘ in einer besonderen Beziehung ,gegenseitiger Innerlichkeit‘ zum Ganzen, das heißt zur universalen Kirche, stehen, weil in jeder Teilkirche ,die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft gegenwärtig ist und wirkt‘. Daher ,kann die Gesamtkirche nicht als die Summe der Teilkirchen aufgefasst werden und ebenso wenig als Zusammenschluss von Teilkirchen‘. Sie ist nicht das ,Ergebnis‘ von deren Gemeinschaft; sie ist vielmehr im Eigentlichen ihres Geheimnisses eine jeder einzelnen Teilkirche ontologisch und zeitlich vorausliegende Wirklichkeit. In der Tat geht nach den Vätern die Kirche, die eine und einzige Kirche, in ihrem Geheimnischarakter ontologisch der Schöpfung voraus, und sie gebiert die Teilkirchen gleichsam als Töchter; sie bringt sich in ihnen zum Ausdruck, ist Mutter und nicht Produkt der Teilkirchen. In der Zeit tritt die Kirche am Pfingsttag öffentlich in Erscheinung, in der Gemeinschaft der hundertzwanzig, die um Maria und die zwölf Apostel versammelt waren. Die Apostel waren die Vertreter der einzigen Kirche und die zukünftigen Gründer der Ortskirchen, Träger einer an die Welt gerichteten Sendung. Schon damals spricht die Kirche alle Sprachen. Aus ihr, die universal entstand und offenbar wurde, sind die verschiedenen Ortskirchen als jeweilige konkrete Verwirklichungen der einen und einzigen Kirche Jesu Christi hervorgegangen. Da sie in und aus der Universalkirche geboren werden, haben sie ihre Kirchlichkeit in ihr und aus ihr. Daher ist die Formel des Zweiten Vatikanischen Konzils: die Kirche in und aus den Kirchen (Ecclesia in et ex Ecclesiis) untrennbar verbunden mit dieser anderen: die Kirchen in und aus der Kirche (Ecclesiae in et ex Ecclesia). Der Geheimnischarakter dieser Beziehung zwischen Gesamtkirche und Teilkirchen, die keinen Vergleich verträgt mit jener zwischen dem Ganzen und den Teilen in gleich welcher rein menschlichen Gruppe oder Gesellschaft, ist offensichtlich.“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 107, Bonn 1992, 10-11.).
  7. Kongregation für die Glaubenslehre, a.a.O.
  8. Yves Congar, Die Lehre von der Kirche. Von Augustinus bis zum abendländischen Schisma (HDG III, 3c), Freiburg 1971, 57f.

  9. Kasper schreibt: „Vollends problematisch wird die Formel (`die Kirche in und aus der Kirche´), wenn die eine universale Kirche unter der Hand mit der römischen Kirche, de facto mit Papst und Kurie, identifiziert wird. Geschieht dies, dann kann man das Schreiben der Glaubenskongregation nicht als Hilfe zur Klärung der Communio-Ekklsiologie, sondern muss es als deren Verabschiedung und als Versuch einer theologischen Restauration des römischen Zentralismus verstehen. Dieser Prozess scheint in der Tat im Gange zu sein. Das Verhältnis von Orts- und Universalkirche ist aus der Balance geraten.“ (Walter Kasper, „Zur Theologie und Praxis des bischöflichen Amtes“, in: Werner Schreer / Georg Steins (Hg.), Auf neue Art Kirche sein. Wirklichkeiten – Herausforderungen – Wandlungen. Festschrift für Bischof Dr. Josef Homeyer, München 1999, 44.
  10. Vgl. Kilian McDonell, „Walter Kasper on the Theology and the Praxis of the Bishop´s Office”, in: Theological Studies 63 (2002) 711-729. Medard Kehl, a.a.O., 226.
  11. Papst Franziskus, Apostolische Konstitution Veritatis gaudium von Papst Franziskus über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2018, 4d.
  12. Vgl. Vellguth, Klaus, Pastorales Netzwerk wächst in Asien. Pastoralinstitute suchen gemeinsam nach neuen Perspektiven, in: Verbum SVD 54 (2014) 1-2.
  13. Das „Netzwerk Pastoral Asien“ sowie das „Netzwerk Pastoral Afrika“ werden von Marita Wagner begleitet.
  14. Das „Netzwerk Religionsfreiheit“ wird von Katja Nikles begleitet.
  15. Das „Netzwerk Religion und Gewalt“ wird von Marco Moerschbacher begleitet.
  16. Das „Netzwerk Kleine Christliche Gemeinschaften“ wird von Johannes Duwe begleitet.
  17. Vgl. https://www.missio-hilft.de/informieren/wie-wir-mission-verstehen/partnerschaft-und-dialog/ (15.05.2020).
  18. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium des Heiligen Vaters Papst Franziskus, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2013, 32.

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