022011

Foto: Schub@: take a seat, read a book (CC BY-NC-SA 2.0)

Service & Dialog

Martin Lätzel

Buchrezension: Dermühl, Peter: Businessplan Menschlichkeit

Dermühl, Peter: Businessplan Menschlichkeit. Wie Unternehmen sozial handeln.

Über Werte und Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen Tun wird in den letzten Jahren zunehmend reflektiert. Das ist eine gute Entwicklung, zum einen natürlich dadurch bewirkt, dass das ökonomische Wachstum an seine Grenzen kommt, zum anderen dadurch, dass es ein wachsendes Verständnis dafür gibt, welche wertvolle Ressource de Mensch im Wirtschaftskreislauf darstellt. Auffallend ist allerdings, dass sich die Kirchen – nach Selbstverständnis doch Expertinnen für Werte – noch allzu sehr aus der Diskussion fern halten. Umso erwähnenswerter ist es, dass sich kirchliche Verlage dem Thema widmen. Auf unserem Schreibtisch liegen zwei Neuerscheinungen aus dem Verlag Sankt Michaelsbund. Der war uns bisher nur bekannt mit Büchern zur Religionspädagogik oder guten Kinder- und Jugendbüchern. Jetzt wagt man sich an ernste Themen und der Rezensent ist überrascht.

Der Band Businessplan Menschlichkeit versammelt vierzehn gut gemachte Reportagen über Ausnahmeunternehmen, die es, oh ja, auch heute noch in Deutschland gibt. Die Bandbreite ist groß, es finden sich Hersteller von Mineralwässern, Kindernahrung, Moder oder Flachglas. Sie stehen paradigmatisch für Unternehmen, denen Nachhaltigkeit und Langfristigkeit wichtiger ist, as der schnelle Euro. Für die Wirtschaft bedeutet dies Stabilität, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Zuverlässigkeit. Die Antwort sind Vertrauen und Identifikation. Die Beichte zeigen anschaulich, wie Wirtschaft gehen kann, wenn man sich nicht unter der alleinigen Maßgabe des Profits betrachtet.

In Der verwirrte Bürger analysiert der ehemalige Wirtschaftsjournalist die Verhältnisse unserer Gesellschaft. Wörl erkennt, dass wir uns in einer Umbruchsituation befinden, fragt, ob Wachstum so, wie wir es bisher gelebt haben, eine Zukunft hat und deckt auf, welche Argumente und Ziele von Neoliberalen und Sozialromantikern benutzt werden, um die eigenen Positionen zu untermauern. Vieles davon ist sicher bekannt, der reiz des Buches liegt darin, dass es leicht lesbar ist und viele Argumente zusammen führt. Die absoluten Lösungsvorschläge hat Wörl auch nicht und seine selbst durchgeführte kleine Untersuchung unter Bekannten und Verwandten die Zukunft betreffend – als letztes Kapitel an das Buch gehängt – wirkt ein bisschen bemüht und niedlich. Auch sehr dünn erscheint dem Rezensenten das Kapitel zur religiösen Herausforderung, denn hier hätte man, jenseits der Diskussion um die Zukunft von Islam und Christentum, das Vademecum der Religionen in Bezug auf die Wohlstandsentwicklung der Welt herausarbeiten können. Die Absicht des Autors wird sicher deutlich, es geht nicht um den großen Wurf, sondern um eine Balance zwischen Selbstbewusstsein und Genugtuung. Man kann nur wünschen, dass sich die Botschaft E.F. Schumachers („Small is beautiful“) durch Bücher wie das von Wörl vierzig Jahre nach ihrem Erscheinen doch noch langsam durchsetzt.

Bleibt zu hoffen, dass es noch mehr solcher Bücher gibt, so dass sich das Bewusstsein weiter verbreitet, dass dem Faktor Mensch in der Ökonomie eine größere Bedeutung zukommen muss, als dem Faktor Kapital.

 

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