022015

Foto: Luca Barcellona: LBGS - live performance at Gold Store. (CC BY-NC 2.0), Bildausschnitt

Praxis

Michael Bredeck

Berufung.Aufbruch.Zukunft – Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn

Am 25. Oktober 2014 wurde im Rahmen eines „Diözesanen Forums“ das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn vorgestellt. Zehn Jahre intensive Verständigung liegen dem Text zugrunde, der in der Druckfassung 100 Seiten umfasst. Zugleich wurden verschiedene Anlagen zu diesem Text veröffentlicht, die einzelne Aspekte des Zukunftsbildes vertiefen.


Zukunftsbild

Hier ist insbesondere die Anlage 1 zu nennen, in der Schritte zur Umsetzung des Zukunftsbildes beschrieben werden. Dabei ist die Einrichtung eines Projektes Bistumsentwicklung hervorzuheben, dessen verschiedene Teilprojekte zeitlich befristet eingesetzt wurden, um einzelne Aspekte des Zukunftsbildes zu realisieren oder voranzubringen.

Die Einrichtung eines Projektes Bistumsentwicklung zum 01. Januar 2015 verdeutlicht, was Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Vorwort zum Zukunftsbild unmissverständlich bekräftigt

 „Der Text ist ein Zukunftsbild, macht also deutlich, in welche Richtung sich das Erzbistum Paderborn entwickeln soll – und so wird es niemanden, der sich informieren und beteiligen möchte, wundern, wenn in den kommenden Jahren nach und nach Schritte zur Umsetzung einzelner Aspekte dieses Zukunftsbildes unternommen werden.“ (5)

1. Der Weg zum Zukunftsbild: „Perspektive 2014“ (2004-2014)

Im September 2003 wurde der damalige Weihbischof und Diözesanadministrator Hans-Josef Becker in sein Amt als Erzbischof von Paderborn eingeführt. Auf der Grundlage einer Rundreise durch die damals 40 Dekanate stieß er ein Jahr später, am 30. Oktober 2004, unter dem Namen „Perspektive 2014“ einen diözesanen Entwicklungsprozess an, der zur Festsetzung diözesaner Schwerpunkte führen sollte. Dass zehn Jahre später ein Zukunftsbild, ein Projekt Bistumsentwicklung und zahlreiche Erkenntnisse sowie der Entschluss zu einer „alle Aspekte des pastoralen und administrativen Handelns betreffenden Transformation“ vorliegen würde, war damals nicht absehbar. Ebenso wenig war zu ahnen, dass es zu einer umfassenden Dekanatsreform (2006) sowie zur Fortschreibung der gerade im Aufbau befindlichen Pastoralverbünde (Pfarreiengemeinschaften; seit 2000) zu insgesamt 87 Pastoralen Räumen (seit 2010) kommen werde. Der Erzbischof stieß also einen sehr offenen Prozess an aus der Intuition, dass „es nicht mehr so weitergehen kann wie bisher“ Hier sind besonders die personellen Ressourcen zu nennen.

Allerdings dauerte es mehrere Jahre, bis aus einem Impuls des Bischofs ein strukturierter Entwicklungsprozess wurde. Zunächst sah es so aus, als ob die Auftaktrede vom 30.10.2004 einfach in der Luft hängen würde.

2. Zur Struktur des Perspektivprozesses

Aus heutiger Sicht verwundert es, wie nach und nach ein Prozess entstand, der immer mehr Akteure im Bistum verband und einband. Auf dem Weg wuchs das Vertrauen in die Kraft und das Zusammenspiel der vielen Akteure, das sich nach und nach entwickelte. Vergleicht man Zusammensetzung und Ablauf der Diözesanen Foren 2004 und 2014, ist diese Kraft und dieses Zusammenspiel deutlich erkennbar: 2004 eine Tagung eher hinter verschlossenen Türen mit etwa 150 Verantwortlichen, die so gut wie ausschließlich die Gremienstruktur des Bistums und die Linienstruktur der diözesanen Verwaltung abbildeten, 2014 ein Tageskongress im säkularen Raum mit mehr als 500 Teilnehmenden (Haupt- und Ehrenamtlichen), externen Beobachtern und einem für den Paderborner Dom sehr ungewöhnlichen Gottesdienst (keine Messe, keine Orgel, keine Pontifikalhandlungen) samt Aussendung vieler Kuriere ins Bistum durch den Bischof, darunter auch der Generalvikar.

Die Gedanken einer inhaltlichen Neuausrichtung des pastoralen Handelns brauchten viel Zeit, um im Bistum zu landen.

Blickt man auf den Prozess zurück, waren die ersten fünf Jahre (2004-2009) kaum organisiert. Die Gedanken einer inhaltlichen Neuausrichtung des pastoralen Handelns brauchten viel Zeit, um im Bistum zu landen.

Den Anfang machte die Priesterfortbildung: 2007/2008 nahmen alle Priester im aktiven Dienst des Bistums an einem dreitägigen Kurs teil zur „Perspektive 2014“. Die Ergebnisse enthielten klare Hinweise auf die Mentalität und Disposition der Priester des Erzbistums. 2009 wurden die zentralen Ergebnisse dieser Kurse veröffentlicht, die Dringlichkeit eines intensiven Dialogs mit den Priestern, aber auch anderen pastoralen Akteuren, über die Zukunftsfragen waren überdeutlich. An Mitarbeitertagen für die (ehrenamtlich tätigen) ständigen Diakone sowie die Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten wurde versucht, auch diese beiden Berufsgruppen in die Überlegungen zur „Perspektive 2014“ mit hineinzunehmen.

2009 erfolgte dann eine Grundsatzentscheidung für einen strukturierten Entwicklungsprozess: eine Lenkungsgruppe unter Vorsitz des Erzbischofs wurde eingerichtet. Ihr arbeiteten ganz klassisch drei abteilungsübergreifend besetzte Arbeitskreise zu, in denen Fragen der pastoralen Konzeption, des pastoralen Personals und der Administration gebündelt wurden, die sich aus der pastoralen Praxis im Bistum immer deutlicher ergaben. Hier ging es vor allem um die gemeindeübergreifende Entwicklung der Pastoral, die beruflichen Rollenveränderungen und die Teamarbeit und die Wirksamkeit der administrativen Abläufe und die Verwaltungsentlastung der Pfarrer.

Im November 2009 lud der Erzbischof schon einen größeren Kreis an Menschen (etwa 400) zu einer Halbzeitbilanz. Diese Gelegenheit nahm er wahr, um ein zentrales Kriterium zu formulieren, das ihm auf der Basis der bisherigen fünfjährigen Wahrnehmung als geeignet erschien, den weiteren Entwicklungsprozess theologisch zu fundieren. Er sprach von der „Pastoral der Berufung“, verband das mit Stichworten wie Taufpriestertum, Charismentheologie und einer Differenzierung des pastoralen Handelns („pastorale Orte und Gelegenheiten“).

Im Anschluss an diese Halbzeitbilanz nahmen – und das war eine erste, bedeutende Intervention – verschiedene Perspektivgruppen ab 2010 ihre Arbeit auf, die die inhaltlichen Vorgaben des Erzbischofs aufgriffen und vertieften. Diese wurden abteilungs- und hierarchieübergreifend besetzt, im Bistum eine Neuigkeit. In der Folge richteten sie mehrere Projektforen aus, die einer Verständigung und Vertiefung des jeweiligen Perspektivthemas dienten und ebenfalls abteilungs- und hierarchieübergreifend besetzt waren.

Mit dem Jahr 2010 begann auch der Prozess einer strukturellen Neuordnung bzw. Weiterentwicklung der Pfarreien: Die bestehenden – teilweise noch gar nicht realiter funktionierenden Pastoralverbünde – wurden in einem dialogisch angesetzten Verfahren in größere Pastorale Räume hin fortgeschrieben. Seitdem startet die sukzessive Umsetzung dieser Fortschreibung, die in einem sehr verbindlichen Rahmen in gemeinsamer Trägerschaft von Bistum, Dekanaten und der Ebene vor Ort mit klaren Zeitlinien und inhaltlichen Vorgaben (Pastoral der Berufung und Perspektivthemen) erfolgt. Auf diesem Weg sind besonders die ehrenamtlichen Gremien in Bewegung gekommen. Verbindlich ist eine zweijährige Planung jedes Pastoralen Raumes zu einer Pastoralvereinbarung, die vom Erzbischof gegengezeichnet wird. Auf dem Weg dorthin erhält jeder Pastorale Raum zwei Berater oder Beraterinnen.

Das heißt: im Grunde wird keine grundsätzliche Entscheidung ohne Beratung und Befragung der durch diese Entscheidung betroffenen Ebenen mehr getroffen.

Der Aufbau der großen pastoralen Räume bindet natürlich viel Energie. Er macht aber zugleich die inhaltliche Neuausrichtung der Pastoral und ihre pastoraltheologische Fundierung erheblich dringlicher. Es versteht sich von selbst, dass die Erkenntnisse des Aufbaus der pastoralen Räume zentrale Bedeutung für die Formulierung des späteren Zukunftsbildes hatten. Zudem hat er eine Bedeutung für die Entwicklung der Diözese als lernender Organisation. Das heißt: im Grunde wird keine grundsätzliche Entscheidung ohne Beratung und Befragung der durch diese Entscheidung betroffenen Ebenen mehr getroffen. Diözesane, Dekanats-, und Pastoraler Raum-Ebene stehen über alle Fragen in einem permanenten Gesprächsprozess.

2012 wurden die bislang bestehenden Arbeitskreise aufgelöst und durch eine Art Runden Tisch ersetzt, an dem Verantwortungsträger aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkamen: Theologische Grundlagenarbeit (Perspektivthemen der Pastoral der Berufung), Gesamtprozess des Bistums, Pastorale Konzeption, Pastorales Personal, Verwaltungsentlastung und Kommunikation. Hier wurde ein vernetztes Arbeiten begonnen, mit allen Möglichkeiten und Grenzen, die das in den meist eng gestrickten Terminkalendern der Beteiligten bot. Diese „Teilbereichsleiterrunde“ war auch federführend für die operative Entwicklung des Textes des späteren Zukunftsbildes verantwortlich. Hinter dieser Runde standen aber deutlich mehr Personen und Bereiche, als in der ursprünglichen Arbeitskreisstruktur abgebildet werden konnte. Die engen Grenzen von zuständigen Abteilungen wurden hier bewusst überschritten, was dem Gesamtprozess eine deutliche Dynamik gab.

3. Die Pastoralwerkstatt im Juni 2013

Ab Beginn des Jahres 2012 wurde über eineinhalb Jahre ein Novum in der Geschichte des Erzbistums vorbereitet: eine Pastoralwerkstatt, zu der Ende Juni 2013 in Paderborn knapp 500 Männer und Frauen zusammenkamen über vier Tage lang Empfehlungen für das spätere Zukunftsbild erarbeiteten. Zwei Drittel der Teilnehmenden waren hauptberufliche Laien und Priester aus Pfarreien, pastoralen und caritativen Einrichtungen, Verbänden und Gremien, ein Drittel ehrenamtliche tätige Menschen, vor allem aus den Pastoralen Räumen und den Verbänden. Entlang der inhaltlichen Themen des Bistumsprozesses und der praktischen und administrativen Fragen, wie sie sich auf dem Weg der Pastoralen Räume ergaben, wurden etwas mehr als 70 Empfehlungen formuliert, die sehr unterschiedliche Ebenen und Realisierungswege ansprachen.

Auch wenn sich insgesamt der Eindruck einstellte, hier wurde noch recht stark vom bestehenden status quo her gedacht – und in neuen, zusätzlichen Stellen – , waren diese Tage sehr wirkungsvoll: denn es war gelungen, in einen offenen Prozess einzutreten und Themen und Fragen zu bearbeiten, ohne das Ergebnis im Vorfeld zu kennen. Es war gelungen, dies in einer zugleich nachdenklichen und geistlich geprägten Atmosphäre zu tun. Und es war gelungen, beieinander zu bleiben, obwohl deutlich spürbar war, dass nicht nur unterschiedliche Ebenen und Altersstufen, sondern auch unterschiedliche Kirchenbilder miteinander rangen. Erfahrbar war das gemeinsame Bemühen, ohne hierarchische Vorentscheidungen quer durch alle Ebenen, haupt- und ehrenamtlich miteinander zu sprechen und zu Ergebnissen zu kommen. Externe Resonanzgeber beobachteten die Tage und meldeten sowohl den Verantwortlichen auf Bistumsebene wie den vor Ort Versammelten ihre Eindrücke zurück, die durchaus wirksame Interventionen beinhalteten.

Erfahrbar war das gemeinsame Bemühen, ohne hierarchische Vorentscheidungen quer durch alle Ebenen, haupt- und ehrenamtlich miteinander zu sprechen und zu Ergebnissen zu kommen.

Alle Empfehlungen wie auch das Hintergrundmaterial wurden im Internet zugänglich gemacht, ein weiteres Moment, das die Offenheit des kommunikativen Weges verdeutlichte. Eine externe sozialwissenschaftliche Unterstützung half dabei, die Empfehlungen zu sortieren und Schwerpunkten zuzuordnen.

4. Die Textentstehung

Dann begann die Arbeit an ersten Bausteinen des späteren Zukunftsbildes. In fünf offenen Abenden für die Teilnehmer der Pastoralwerkstatt im Frühjahr 2014 wurden diese Bausteine vorgestellt und nochmals diskutiert. Der endgültige Text des Zukunftsbildes, den der Erzbischof unterzeichnete und der Öffentlichkeit vorstellte, wurde zwar in Paderborn von einer kleinen Redaktionsgruppe formuliert und in enger Abstimmung mit dem Erzbischof und den bischöflichen Leitungsgremien entwickelt, die inhaltliche Beratung im Vorfeld wie eine abschließende Beratung in den diözesanen Beratungsgremien führte aber zu einem Text, in dem sich viele der Gedanken und Empfehlungen wiederfanden, die sich auf dem Weg der vergangenen Jahre entwickelt hatten. Das entsprechende Echo bei denen, die beteiligt waren, ist immens positiv.

Der Text des Zukunftsbildes selbst hatte neben einem persönlichen Vorwort des Erzbischofs, indem er den Status des Textes klärte, eine biblische Grundlegung erhalten, auf der dann die theologische Basis mit der Berufungstheologie aufbaut. Ein Kapitel beschreibt die grundlegende Haltung, die es für die Pastoral der Berufung braucht (Vertrauen und Verantwortung), ein weiteres benennt Schlüsselthemen für das pastorale Handeln und klärt das diözesane Verständnis dieser Schlüsselthemen (Vielgestaltigkeit, Entscheiden-Kommunikation-Partizipation, Führen und Leiten in der Kirche, Miteinander von Haupt- und Ehrenamt, Dienst der Priester und das Volk Gottes, Prioritäten und Nachrangigkeiten im pastoralen Handeln). Ein eigenes Kapitel erschließt das Verständnis und die Entwicklungsmöglichkeiten der Pastoralen Räume vom Grundanliegen des Zukunftsbildes, der Berufungsförderung, her. Ein Schlusskapitel richtet den Blick nach vorn und formuliert den Auftrag zur Umsetzung und Aneignung des Zukunftsbildes in den kommenden Jahren.

Der Text geht nicht ein auf die weltkirchlichen Streitfragen, die natürlich auch im Paderborner Bistumsprozess zur Sprache kamen, aber doch relativ wenig Raum einnahmen. Es ist aber anzunehmen, dass sie nach der Bischofssynode 2015 das kirchliche Leben und auch die Umsetzung des Zukunftsbildes massiv berühren werden. Jedenfalls ist im Erzbistum Paderborn keine Hoffnung erzeugt worden, die weltkirchlich enttäuscht werden könnte.

4. Die geplante Aneignung und Umsetzung des Zukunftsbildes

Um die Umsetzung und Aneignung zu organisieren, wurde zu Beginn des Jahres 2015 ein eigenes Projekt Bistumsentwicklung im Generalvikariat initiiert, das in direkter Anbindung vom Erzbischof und Generalvikar als „Wächter“ des Zukunftsbildes agieren und in die diözesanen Prozesse, Abläufe und Entscheidungen hineinwirken soll. Zehn Teilprojekte, die die Anliegen des Zukunftsbildes aufgreifen, sowie verschiedene Daueraufgaben stehen hinter diesem Projekt und arbeiten in Abstimmung mit den verschiedenen Abteilungen des Generalvikariates zusammen.

Überhaupt geht es nicht darum, einen fertigen Text zu loben oder gut oder schlecht zu finden, sondern durch den Text angestoßen zu werden und ins Handeln zu kommen.

Es ist vereinbart, 2017 eine erste Überprüfung des Standes der Umsetzung bei einem diözesanen Forum vorzunehmen. Überhaupt geht es nicht darum, einen fertigen Text zu loben oder gut oder schlecht zu finden, sondern durch den Text angestoßen zu werden und ins Handeln zu kommen. Vermieden werden soll der Gestus der Beurteilung: ich finde das Zukunftsbild gut oder schlecht. Befördert werden soll hingegen die Bewegung, das Handeln: ich überprüfe mein Handeln auf dem Hintergrund des Zukunftsbildes; ich nehme mir konkret vor…; ich verabrede folgende Versuche…

Fragen sind viele da, Kritik und Unbehagen natürlich auch. Denn der Text ist kein Kompromisstext, in dem sich jeder wiederfindet. Er enthält ein deutliches Votum, in welche Richtungsanzeige sich das Erzbistum Paderborn entwickeln will. Er setzt auf die Berufungstheologie sowie eine pastorale Realisierung derselben. Er setzt auf deutliche Ressourcenverschiebungen im kirchlichen Leben weg von den Pfarrgemeinden. Und er setzt auf eine Kirchenkonzeption, die von der Taufe her konstitutiert ist. Es ist klar, dass es Widerstände und Vernebelungsversuche geben wird und die sind auch jetzt schon spürbar. Beharrungstendenzen prägen schließlich geradezu automatisch das Handeln vieler Beteiligter.

5. Reflexion

Der Perspektivprozess hat die Schwierigkeiten eines umfassenden Transformationsprozesses klar erkennen lassen: die Menschen, die die bisherige Sozialgestalt der Kirche tragen und verkörpern, wollen in der Regel keine Veränderungen und befürchten Heimatverlust und Abbrüche. Viele andere Menschen, die sich nicht in den Gemeinden beheimatet fühlen, erfahren von diesen Streitigkeiten kaum etwas, sondern suchen ihre Zugänge zum Glauben an Christus und ihre Wege, sich in der Kirche und für die Kirche zu engagieren – das Bistum stärkt hier bewusst eine Vielzahl von Einrichtungen, Projekten und Initiativen. Das pastorale Personal reagiert unterschiedlich auf diese Entwicklung, erkennbar ist eine problematische Differenzierung in „Gewinner“ und „Verlierer“ vor allem unter den Priestern. Aufbrüche und Wachstum geschehen, werden aber oft übersehen oder, weil sie meist neben den klassischen Pfarreien sind, als etwas eher Verdächtiges wahrgenommen.

Es wird an der Konsequenz vor allem des Erzbischofs und der diözesanen Verantwortungsträger hängen, die Rahmenbedingungen so zu entwickeln, dass das Zukunftsbild prägend wirken kann. Dezentralisierung, Unterstützung bislang ungewohnter Wege des Kirche-Seins, eine Pluralisierung von pastoralen Orten und entsprechende Ressourcenzuweisung sind hier nur einige Stichworte, in denen sich diese Konsequenz zeigen wird. Besonderes Augenmerk wird darauf liegen müssen, in alle gestaltungsmächtigen Positionen möglichst Personen hineinzurufen, die im Sinne der Optionen des Zukunftsbildes handeln wollen und können. Zentral ist schließlich das Gottvertrauen, dass der eingeschlagene Weg bei allen Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten ein gesegneter Weg ist. Hinweise dafür gibt es genug, wenn man an den Anfang zurückdenkt. Denn es ist schon erstaunlich, welche lebendige Entwicklung sich ergeben hat – ohne genaue Planung und durchkonzipiertes Agieren, durch die wachsende Bereitschaft, auf dem Weg zu lernen und zu priorisieren, zu verdichten und zu akzentuieren.

Eine Frage ist natürlich die der rechtlichen Relevanz des Zukunftsbildes. Es ist kein diözesanes Gesetz. Es hat keine kirchenrechtliche „Statur“ – und das wird von einzelnen auch deutlich betont. Zugleich ist es als Bezugspunkt der diözesanen Entscheidungen und Entwicklung in der Öffentlichkeit durch den Bischof selbst präsentiert worden. Es ist aber nicht einklagbar, einforderbar oder justitiabel. Aber es gibt eine steigende Zahl von Gläubigen, die sich auf das Zukunftsbild berufen.

Berufung-Aufbruch-Zukunft. Diese drei Schlüsselbegriffe werden die kommenden Jahre im Erzbistum Paderborn prägen und zugleich Anspruch und Maßstab sein für die Umsetzung dessen, was in einem zehnjährigen Prozess gewachsen ist und geerntet werden konnte.

6. Offene Fragen

  • Wer beginnt in der Kirche eigentlich den Dialog? Und welche Art braucht ein Dialog, der z.B. GS 92 gerecht wird?
  • Zu welchen Themen kann oder soll in einem katholischen Bistum ein Dialog geführt werden?
  • Wann ist ein Dialogprozess gelungen?
  • Wie „strukturiert“ sich Dialog in einem Bistum mit 1,6 Mio Katholiken?
  • Welche Repräsentanzsysteme sind geeignet, das Volk Gottes abzubilden?
  • Wie lässt sich eine Beteiligung von Fremdpropheten etc. sicher stellen?
  • Wie lässt sich in der katholischen Kirche Dialog und Leitung durch den Bischof auf diözesaner Ebene zusammen denken?
  • Partizipation in der Kirche – wie lässt sie sich über die gremiale Partizipation hinaus denken und vor allem realisieren?

 

Links

Informationen und Materialien zum Zukunftsbild „Perspektive 2014“:

Kontakt:

  • bistumsentwicklung[at]erzbistum-paderborn[.]de  (bistumsentwicklung[at]erzbistum-paderborn[.]de)  

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