012017

Statements

Thomas Suermann de Nocker

Drinnen oder draußen? – Kirchliche Verortung zu Organisation und Führung

Wie wird die Kirche der Zukunft aussehen? Wie muss sich die heutige Kirche wandeln, um auch morgen noch ihren Grundauftrag zu erfüllen?
Diese und ähnliche Fragen treiben viele um, denen die Kirche und die ihr anvertraute gute Nachricht am Herzen liegen. Sie werden gestellt von denen, die danach suchen, wie christlicher Glaube für sie selbst und ihre Zeitgenossen relevant sein kann. Auch kirchenleitende Gremien und Verantwortungsträger und -trägerinnen suchen nach Antworten auf diese Fragen.

Die Kirche der Zukunft wird nicht mehr mehrgleisig fahren können, sondern sich entscheiden: In dieser Welt und mit ihr oder von außerhalb gegen das Schlechte. Mit Blick auf kirchliche Organisations- und Führungsstrukturen gibt es zwei Optionen:

Zum einen: Professionalisierung im weltlichen Sinne

Die Sinnhaftigkeit von Erkenntnissen zu Führung und Organisation in vergleichbaren Institutionen wird auch für die Kirche anerkannt. Und da Kirche in postmoderner Zeit auf die bewusste Entscheidung ihrer Mitglieder angewiesen ist, gehören auch Facetten privatwirtschaftlicher Unternehmen zu kirchlichen Leitbildern.

Gibt es doch einen Mittelweg? Wie könnte er aussehen, so dass er nicht als bloßer Kompromiss wahrgenommen wird, sondern in Klarheit verbindet?

Damit verbunden ist die Erkenntnis, dass die Werke der Kirche richtig und wichtig sind, auch wenn sie in einem Marktumfeld stattfinden und von Dritten refinanziert werden (Krankenhäuser, Schulen, Kitas etc.). Es braucht aber einen unverstellten Blick auf die Zielsetzung der Einrichtung, hier einen erkennbaren und überprüfbaren Mehrwert zu schaffen, der die Einrichtungen von Wettbewerbern absetzt, da ansonsten das kirchlichen Engagement überflüssig wäre.

Zum anderen: Entweltlichung mit klarer Abkehr von irdischen Prinzipen

Kirche stellt ein bewusstes Gegengewicht zum weltlichen Streben nach Zielerreichung dar. Damit verbunden ist eine stärkere Fokussierung auf eine spirituelle Dimension und auf politische Kernforderungen, die zu erreichen sind, unabhängig davon, wie erfolgsversprechend das Bestreben in der Realität ist.

Es gilt eigene Organisations- und Führungsformen mit klaren Loyalitäten und Bekenntnissen zu pflegen. Traditionen sind wertzuschätzen und die Sonderrolle zu unterstreichen, die die Kirche gegenüber anderen rein irdischen Akteuren der Gesellschaft hat. Negativ wahrgenommene Fremdprophetie anderer gesellschaftlicher Sphären wird als Versuchung erkannt.

Holzschnittartig zusammengefasst: Das erste ist eine Kirche, die Frieden mit der Welt gemacht hat und ihn ihr möglichst effektiv wirken möchte, dazu bedient sie sich auch ihrer Werkzeuge. Die zweite Kirche will die Welt befrieden und sieht die fundamentalen Defizite in und an ihr. Alle Kraft muss gebündelt werden, um sich diesen entgegen zu stellen.

Gibt es doch einen Mittelweg? Wie könnte er aussehen, so dass er nicht als bloßer Kompromiss wahrgenommen wird, sondern in Klarheit verbindet?

Kritische Fragen sind zu stellen: Wo befindet man sich in dieser Welt und macht sich von ihr abhängig, geht sogar darin auf und vielleicht unter? Wo sind die Grenzen, die zur irdischen Welt gezogen werden, wie konsequent lebt man die Andersartigkeit? Wo hat man konkrete Ziel und erreicht diese? Wo kämpft man eher fürs große Ganze?

Natürlich: Kirche ist beides, in dieser Welt und außerhalb von ihr, Lumen Gentium unterstreicht das im zweiten Vatikanum deutlich. Aber viele konkreten Eigenarten von Organisation und Führung, die Ausdrucks dieses Mittelwegs einer Kirche sind, werden heute von unterschiedlicher Seite angefragt:

Das kirchliche Arbeitsrecht, der Dritte Weg, die Kirchensteuer als zentrale Finanzierungsgrundlage und weitere staatskirchenrechtlichen Besonderheiten in Deutschland und die enge Verknüpfung von Leitungsaufgaben mit dem Priesteramt als nur ein Beispiel kirchenrechtlich festgeschriebener Führungs- und Organisationsgrundsätze. Wie kirchliches Handeln gesteuert werden soll und wie Führung aussehen sollte, dazu kommt auch Kritik: Wie wichtig ist Controlling und doppelte Buchführung? Welche Führungsinstrumente sind in der Kirche sinnvoll? Darf „Karriere“ eigentlich ein Motivationsfaktor sein?

Und ganz zuletzt im Pudels Kern: Was sind eigentlich unsere konkreten Ziele als Kirche in Deutschland?

Schlagworte

Führung